Pernold Christl

Berta Maria; Bibliothekarin
*16.6.1924 Wien, † 21.11.1999 Wien

LebenspartnerInnen, Kinder: Ledig, keine Kinder:
Herkunft, Verwandtschaften: Tochter des Kaufmanns Fritz Pernold und Emma Matlocha.
Ausbildungen: Sie absolvierte am 24.3.1942 die Matura an der staatlichen Oberschule für Mädchen in Wien. Nach Ableistung des Arbeits- und Kriegshilfsdienstes inskribierte sie an der Philosophischen Fakultät der Universität Wien und studierte ab Sommersemester 1943 Germanistik (Hauptfach), Philosophie und Kunstgeschichte (Nebenfächer). Im Zuge der Kriegsereignisse wurde sie im Oktober 1944 dienstverpflichtet und konnte daher bis zum Kriegsende ihrem Studium nur nebenberuflich nachkommen. Im Sommersemester 1945 nahm sie ihr Studium wieder ordnungsgemäß auf und promovierte am 20.11.1947 zum Dr. phil. Am 29.11.1949 legte sie die Prüfung für den akademischen Bibliotheksdienst ab.
Laufbahn: Mit April 1948 trat sie den Dienst in der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB) an und wurde ursprünglich als Ausbildungskandidatin für den mittleren Bibliotheksdienst aufgenommen. Mit Genehmigung des Österreichischen Unterrichtsministeriums wurde sie aber ein knappes Jahr später in die Ausbildung für den höheren Bibliotheksdienst übernommen. 1949 erhielt das Österreichische Unterrichtsministerium von der UNESCO die Einrichtung für ein Mikrofilmlaboratorium zum Geschenk, das der ÖNB übergeben wurde. Es bestand aus Aufnahmekamera, Kopiergerät, Vergrößerungsapparat und Dunkelkammereinrichtung. Für diese Stelle wurde als Leiter ein Bibliothekar mit fotografischen Kenntnissen gesucht und ein Stipendium auf drei Monate für einen österreichischen Bibliothekar zum Studium der Mikrofilmeinrichtungen in England und Frankreich ausgeschrieben.
Dieses Stipendium erhielt Christl Pernold nach abgelegter Prüfung für den höheren Bibliotheksdienst und besuchte von März bis Juni 1950 an englischen, französischen und Schweizer Bibliotheken (u. a. London, Oxford und Paris) zum Studium von Mikrofilm- und Kopiereinrichtungen und wurde nach ihrer Rückkehr mit 1.7.1950 mit der Leitung der Mikrofilmstelle betraut. Bereits im Jahr davor war sie in den Unterausschuss für Photographie, Kinematographie und Projektion des Österreichischen Normenausschuss berufen worden.
Zunächst war ihre Stelle nur mittelbar der ÖNB unterstellt, denn sie war eigentlich der Gesellschaft der Freunde der ÖNB unterstellt und sollte sich selbst erhalten. Bis zum Jahr 1952 wurde die Herstellung von Mikrofilmen und Fotoaufträgen, sowohl für die ÖNB als auch für andere Bibliotheken, alleine von Christl Pernold bewältigt. Trotz Mangel an technischen Hilfsmitteln und Einrichtungsgegenständen, aber mit großem Improvisationstalent fertigte sie alleine im Jahr 1951 über 50.000 Mikrofilm-Negativ-Aufnahmen an. In den ersten Jahren ging es v. a. um die Herstellung von aus der ganzen Welt angeforderten Filmaufnahmen von Beständen der ÖNB. Außerdem wurden Sicherheitsverfilmungen von besonders wertvollen Objekten der ÖNB hergestellt.
Lange Jahre war Christl Pernold Josef Mayerhöfer halbtags zugeteilt, um die Bearbeitung der UN- und UNESCO-Documents zu betreiben. Ihr Posten war ein nichtsystematisierter Posten, dessen Bezüge aus den Einnahmen gezahlt wurden. Mit dem Jahr 1953 wurde sie schließlich als Vertragsbedienstete des höheren Bibliotheksdienstes angestellt. Erst mit Wirkung vom 1.8.1957 wurde sie zum provisorischen Staatsbibliothekar II. Kl. ernannt und damit als Beamtin pragmatisiert.
Im Jahr 1956 wurde Gerold Feichtinger aufgenommen und Christl Pernold zur Unterstützung zugeteilt. Später waren ihr vier Mitarbeiter und eine Vertragsbedienstete für die Verrechnung zugeteilt. 1975 bestand die Abteilung aus fünf Vollzeit- und drei Halbzeitkräften. Noch 1977 arbeitete sie von 7.00 bis 16.30 Uhr und machte damit durchschnittlich 20 Überstunden im Monat.
Mit Wirkung vom 1.7.1958 wurde sie zum Staatsbibliothekar II. Kl. der IV. DKl. ernannt, zwei Jahre später folgte die Ernennung zum Staatsbibliothekar I. Kl. der V. DKl., 1965 wurde sie zum Staatsbibliothekar I. Kl. der VI. DKl. ernannt.
Im Zuge der Eröffnung des neuen Lesesaals am Heldenplatz im Jahr 1966 wurde der Mikrofilmstelle ein Sofortkopierdienst angeschlossen. Christl Pernold war neben der Mikrofilmstelle auch für das Fotoatelier, seit 1970 für die Hausdruckerei und die erwähnte Kopierstelle zuständig.
Christl Pernold war es auch zu verdanken, dass an der ÖNB 1969 mit der Verfilmung der Handschriften durch die amerikanische Firma University microfilm begonnen wurde sowie später der gesamte alte Katalog verficht wurde. Die Mikrofilmstelle verfilmte auch große Projekte wie etwa ca. 80 Handschriften für die National Library of Ireland in Dublin und die Jewish National- and University Library in Jerusalem, die sämtliche hebräische Handschriften und -fragmente auf Mikrofilm aufnehmen ließ.
Im Jahr 1969 wurde sie zum Oberstaatsbibliothekar ernannt, doch ein Antrag auf Ernennung in die 8. DKl. wurde 1983 abschlägig beurteilt, weil sie keinen Mitarbeitern der gleichen Dienstklasse vorstand, so die Erklärung. Mit Ende Juni 1985 trat sie als Leiterin der Abteilung für Reprographie der ÖNB in den Ruhestand.
Auszeichnungen und Mitgliedschaften: Sie war Mitglied beim NSV ab 1.3.1943, der JM seit 1938 und des BDM von 1939-1942, Glaube und Schönheit. Aber kein NSDAP-Mitglied.
Sie war sachverständiges Mitglied in verschiedenen Kommissionen für technische Einrichtungen wie dem Österreichischen Normenausschuss oder der Kommission zur Beratung der vergebenen Stellen (techn. Einrichtung des ÖStA).
Da sie mit Versetzung in den Ruhestand nicht den Hofratstitel erhalten konnte, sollte sie das Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich erhalten, doch sie verzichtete darauf.

Literatur / Quellen

Biblos 6 (1957), S. 180; Biblos 7 (1958), S. 220; Biblos 9 (1960), S. 49; Biblos 14 (1965), S. 44; Biblos 34 (1985), S. 239f.
Feichtinger, Gerold: Christl Pernold Ruhestand. In: Biblos 34 (1985), S. 239f.
Trenkler, Ernst: Geschichte der Österreichischen Nationalbibliothek. Zweiter Teil: Die Nationalbibliothek (1923–1967). Hg. v. Josef Stummvoll. Verlag Brüder Hollinek, Wien 1973.
Feichtinger, Gerold: Christl Pernold Ruhestand. In: Biblos 34 (1985), S. 239f.
ÖStA, AdR, PA Christl Pernold.

Werke

Die Frauengestalten im dichterischen Werk Ernst Wiecherts. Diss. Univ. Wien 1947.

Biografieautor:

Christina Köstner-Pemsel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Name