Kornfeld, Gertrud

* 25.7.1891, Prag, Böhmen (Praha, Tschechien), † 4.7.1955 (29.6.), Rochester, New York, USA
Chemikerin

Studium der Chemie, physikalischen Chemie und Physik 1910-1915 an der Karl-Ferdinand-Universität in Prag; 1915 Promotion zur Dr.phil. 1919 Technischen Hochschule Hannover, Volontärassistentin; 1925 Physikalisch-Chemische Institut der Berliner Universität. 1928 Habilitation, Privatdozentin für Photochemie, chemische Kinetik sowie Atom- und Molekülspektren. 1929 Erfindung: Membranmanometer; 1933 Flucht nach England- Stipendien des Academic Assistance Council und der Universität Nottingham. 1935 Assistentin bei Brose und Dingle, Imperial College, London. 1935 Wien, 1937 Emigration in die USA Anstellung als Forschungschemikerin bei Eastman Kodak Co. in Rochester, N.Y.

G. K. stammt aus einer deutschsprachigen jüdischen Familie des Prager Mittelstands. Ihr Vater ist Friedrich Kornfeld, Chemiker in Prag, ihre Mutter Klara Wiener.
Sie besucht eine deutsche Mädchenschule, dann ein Jungengymnasium, wo sie maturiert. Anschließend Studium der Chemie, physikalischen Chemie und Physik 1910-1915 an der Karl-Ferdinand-Universität in Prag. 1915 Promotion zum Dr.phil. bei Victor Rothmund mit der Arbeit „Über Hydrate in Lösungen“. 1928 Habilitation im Fach Chemie mit der Arbeit „Der Wirkungsquerschnitt von Gasmolekülen in der chemischen Kinetik“ als erste und einzige Frau an einer Universität der Weimarer Republik.
Nach ihrer Promotion ist sie am Chemischen Institut der Karl-Ferdinand-Universität zunächst als Demonstrantin, ab 1915 als Assistentin bei ihrem Mentor Rothmund beschäftigt. Nach den politischen Umbrüchen und der Gründung der Tschechoslowakei verlässt sie 1919 Prag und wechselt an die Technischen Hochschule Hannover. Dort tritt sie eine Stelle als Volontärassistentin von Max Bodenstein an, mit dem sie 1925 an das Physikalisch-Chemische Institut der Berliner Universität (heute: HU Berlin) wechselt. Sie arbeitet dort u. a. mit der Physikerin Lise Meitner zusammen. Nach ihrer Habilitation 1928 wird sie in Berlin Privatdozentin und liest über Photochemie, chemische Kinetik sowie Atom- und Molekülspektren. G. K. ist die erste Frau in der Geschichte Deutschlands, die als Privatdozentin Chemie unterrichtet. Das Lehren gefällt ihr; unter Bodenstein übernimmt sie auch die Betreuung von DoktorandInnen. Als G. K. im Herbst 1933 aufgrund ihrer jüdischen Herkunft die Lehrbefugnis entzogen wird, flüchtet sie aus Nazi-Deutschland nach England. Dort erhält sie dank des neu gegründeten Academic Assistance Council (später Society for the Protection of Science and Learning) mehrere Stipendien; wie auch jenes an der Universität Nottingham (1933-1934). Sie ist 1935 Assistentin bei Brose und Dingle am Imperial College in London, bleibt jedoch auf der Suche nach einer festen Anstellung erfolglos. Daher geht sie 1935 mit einem weiteren Stipendium der Gesellschaft nach Wien, wo sie an der Universität Wien bei Hermann Mark forscht. In Wien findet sie als weibliche Naturwissenschafterin keine Stelle, die mit jener in Deutschland vergleichbar wäre. Im Jahr 1937 kann G. K. mit der Hilfe der American Association of University Women mit einem Besuchsvisum in die USA emigrieren, wo sie eine Anstellung als Forschungschemikerin bei Eastman Kodak Co. in Rochester, N.Y. findet. G. K. gelingt keine universitäre Karriere. Sie erfindet 1929 ein Membranmanometer zur Messung kleiner Drucke, veröffentlicht zahlreiche Beiträge über Photochemie in Fachzeitschriften und trägt richtungsweisend zu deren Entwicklung bei. Zu ihren Forschungsgebieten zählen die Kinetik von gasartigen Reaktionen und die Theorie der Fotografie.
G. K. war Mitglied u. a. bei American Chemical Society, Optical Society of America und Faraday Society (London).

Werke

ca. 50 Veröffentlichungen (s. Poggendorf), sowie
The Theory of the Photographic Process, 1954. Journal of the Optical Society of America / Vol. 39. No. 12, 1949.

Literatur / Quellen

Blumesberger, S. / Doppelhofer, M. / Mauthe, G. (Bearb.) / Österr. Nationalbibliothek (Hg.): Handbuch österreichischer Autorinnen und Autoren jüdischer Herkunft. 18. bis 20. Jahrhundert. Saur, München, 2002.
Morgenstern, H.: Jüdisches biographisches Lexikon. Eine Sammlung von bedeutenden Persönlichkeiten jüdischer Herkunft ab 1800. Berlin, Wien, 2009.
Röder, W. / Strauss, H. A. (Hg.): Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933 (= International Biographical Dictionary of Central European Emigrés 1933-1945). 3 Bde. München, 1980-1983.
Stobbe, H. (Hg.): J. C. Poggendorff‘s Biographisch-literarisches Handwörterbuch zur Geschichte der exacten Wissenschaften. Bd.VI. Leipzig 1936- 1940.
Zaunick R. / Salié, H. (Hg.): J. C. Poggendorff´s Biographisch-literarisches Handbuch der exakten Naturwissenschaften. Bd. VII.a. Teil 2: F-K. Berichtsjahr 1932-1953. Berlin, 1956- 1962.
www.jwa.org/encyclopedia/article/kornfeld-gertrud.

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