Dobrozemsky, Maria

Bibliothekarin
*1.9.1893 Oderfurt, Mähren (Přívoz, Ostrava, CZ), † 7.1.1984, Wien

Herkunft, Verwandtschaften: Tochter des Oberinspektors der Bundesbahnen Georg Dobrozemsky (gest. 1925) und seiner Ehefrau Gisela, Schwester Gerta und ein Bruder.
Ausbildungen: Volks- und Bürgerschule in Zauchtel (heute: Suchdol nad Odrou, CZ) und Oderfurt (heute: Přívoz, ein Stadtteil von Ostrava, CZ), 1908 übersiedelte sie mit ihrer Familie nach Wien und besuchte das Obergymnasium des Vereins für erweiterte Frauenbildung (Humanistisches Gymnasium), 1913 Matura, 1916–1920 Studium der Deutschen und Skandinavischen Philologie an der Universität Wien (ohne Abschluss!).
1932 Prüfung für den mittleren Bibliotheksdienst mit ausgezeichnetem Erfolg, Stenotypistenprüfung.
Laufbahn: Maria Dobrozemsky musste ihr Studium vor dem Rigorosum nach zwölf Semestern und zahlreichen Prüfungen abbrechen und die Schwester des Schauspielers Alexander Moissi, Melanie Salvari, half ihr ,nach einigen Monaten (April bis November 1921) bei der Vaterländischen Baugesellschaft AG, eine Anstellung beim Abrechnungsamt in Wien zu bekommen. Sie blieb von November 1921 bis September 1930 in diesem Amt und begann schließlich im Oktober 1930 an der Nationalbibliothek Wien zu arbeiten. Bis zur Ablegung ihrer Bibliotheksprüfung im Juni 1932 war sie als Ausbildungskandidatin angestellt, danach bis 1936 als Vertragsbedienstete. Ihre weiteren Karriereschritte waren: 1936 bis 1940 Kanzlist, dann bis April 1945 Bibliotheksinspektor, von 1945 bis Ende 1947 Bibliotheksrevident, 1949 Bibliotheksoberrevident und 1950 Bibliothekssekretär. Mitte 1954 wurde sie zum wirklichen Amtsrat ernannt.
Bereits als Ausbildungskandidatin wurde sie der mit Jahresbeginn 1931 neu eingerichteten Titelaufnahme unter Hugo Häusle zugeteilt. Diese Abteilung wurde im Zuge der Mitarbeit der Nationalbibliothek Wien am Preußischen Gesamtkatalog eingerichtet und Maria Dobrozemsky blieb ihr über Jahrzehnte erhalten. Ernst Trenkler bezeichnete sie in seiner „Hausgeschichte“ der Bibliothek als der „gute Geist“ der Titelaufnahme.
Während der NS-Zeit wurde die Titelaufnahme von Alois Kisser geleitet. Als Kisser im Februar 1942 einrücken musste und sein Nachfolger Kasimir Kuczewski-Poray zwei Monate später ebenfalls eingezogen wurde, leitete Maria Dobrozemsky de facto die Titelaufnahme bis Kriegsende, obwohl Emil Hoeper nominell als Chef fungierte.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges stand die Titelaufnahme zwar weiterhin nominell dem Katalog unter, da Hoeper aber längere Zeit verletzungsbedingt nicht voll einsatzfähig war, ließ er Maria Dobrozemsky völlig selbständig arbeiten. In der Folge unterstand das Personal direkt Hugo Häusle bzw. dann Josef Hofinger. Alois Kisser kam mit April 1946 wieder an die Bibliothek zurück und übernahm für einige Monate wieder die Leitung der Titelaufnahme. Maria Dobrozemsky blieb der Abteilung bis zu ihrer Pensionierung mit 31.12.1958 treu. Im Jahr darauf arbeitete sie noch am Alten Katalog.
„Bibliothekssekretär Maria Dobrozemsky konnte an der ÖNB infolge ihrer umfangreichen Sprachenkenntnisse mit der Katalogisierung schwieriger, in weniger bekannten Sprachen abgefasster Schriften betraut werden, und bewährt sich in dieser Tätigkeit, die weit über den Rahmen des gehobenen Fachdienstes hinausgeht, ausgezeichnet. Außerdem werden von ihr die Ausbildungskandidaten des höheren und gehobenen Dienstes in der Theorie und Praxis der Katalogisierung nach den bestehenden Vorschriften unterwiesen, und durch sie die Arbeiten der Ausbildungskandidaten überprüft und korrigiert.“ so die Beurteilung in ihrem Personalakt.
Maria Dobrozemsky unterrichtete spätestens ab 1941 die AusbildungskandidatInnen in Katalogisierung. Generationen von BibliothekarInnen gingen bei „Frau Dobro“ in die Schule und erlernten die Preußische Instruktion. Sie war eine sehr gute Pädagogin und konnte ihr immenses Wissen sehr gut vermitteln.
Privat war Maria Dobrozemsky eine große Theaterliebhaberin, die in sehr enger Verbindung mit dem berühmten österreichischen Schauspieler Alexander Moissi und seiner zweiten Frau Johanna Terwin stand. Sie half Moissi mit Abschriften von Gedichten für Rezitationen, bereitete Rollenbücher für ihn vor und übernahm Sekretärsarbeiten für ihn. Sie übertrug der Österreichischen Theatersammlung den Nachlass Moissis und Maria Dobrozemsky dürfte einen wichtigen Anteil am Zustandekommen dieser Erwerbung haben, ist im Einlaufbuch doch vermerkt: „Nachlaß Moissi durch Frau Dobrozemsky 1971“.
Maria Dobrozemsky lebte nach dem Tod des Vaters mit ihrer Mutter und ihrer ebenfalls unverheirateten Schwester sehr zurückgezogen.
Auszeichnungen: Dr. Josef-Bick-Würdigungsmedaille (1966).

Literatur / Quellen

Quellen
ÖStA, AdR, PA Maria Dobrozemsky, ÖNB Archiv, PA Maria Dobrozemsky sowie Verwaltungsakten.

Literatur
Pausch, Oskar: Alexander Moissi und seine selbstlose Verehrerin: Unbekannte Moissiana im Österreichischen Theatermuseum. In: ÖGL, 52. Jg. 2008, H. 1, S. 9–21.
Trenkler, Ernst: Geschichte der Österreichischen Nationalbibliothek. Zweiter Teil: Die Nationalbibliothek (1923–1967). Hg. v. Josef Stummvoll. Verlag Brüder Hollinek, Wien 1973.
Wiesinger, Walter G.: Nachruf Maria Dobrozemsky. In: Biblos 33 (1984), S. 157f.

Biografieautor:

Christina Köstner-Pemsel

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