Valmagini, Blanka von

Bibliothekarin
*14.10.1874 Wien, † 9.1.1958 Wien

Herkunft, Verwandtschaften: Die Familie Valmagini ist ursprünglich spanischer Herkunft, ab dem 18. Jahrhundert können ihre Vorfahren in Italien nachgewiesen werden (darunter ein Architekt, der am Bau des Schloß Schönbrunn mitwirkte). Ihre Eltern Josef von Valmagini (gest. Wien) und Gisela von Bornemissza (geb. 7.7.1853 Alsi Sebes – gest. 1928 Wien) waren an der Ersten österr.-ungar. Assanierungsgesellschaft Guttmann &Co. beteiligt.
LebenspartnerInnen, Kinder: Ledig, keine Kinder.
Ausbildungen: Volks- und Bürgerschule, Fortbildungskurs.
Laufbahn: Blanka Valmagini begann ihre Tätigkeit im öffentlichen Dienst als außerordentliche Hilfskraft Ende Oktober 1897 anlässlich der Volkszählung des Jahres 1900. Sie blieb bis 1914 im Dienst der Statistischen Zentralkommission und war in dieser Zeit bei der Volkszählung, im topographischen Dienst, bei Herausgabe des Gemeindelexikons und des Spezialortsrepertoriums eingesetzt. Mit dem Ersten Weltkrieg wurde sie vier Jahre lang der Kriegsfürsorge zugeteilt, später dem Invalidenamt. Gleichzeitig absolvierte sie auch einen freiwilligen Dienst beim Roten Kreuz (Reservespital 2). Im Jahr 1919 begann sie schließlich im Internationalen Austauschdienst der Wiener Zweigstelle der Smithsonian Institution zu arbeiten. Die seit 1886 bestehende Austauschstelle war bis 1927 dem Bundesamt für Statistik angegliedert, das zu dieser Zeit dem Ressort der Unterrichtsverwaltung angehörte. Sie bemühte sich um Wiederanknüpfung alter Beziehungen zum Ausland (zunächst mit Polen, CSSR, Niederlande, Belgien, Italien und v. a. USA), erhob alle während des Krieges erschienenen Publikationen der österreichisch-ungarischen Monarchie und arbeitete in den ersten Jahren alle in den Kriegsjahren liegen gebliebenen Tauschsendungen auf. Ab Juli 1920 war Blanka Valmagini als Kanzleiadjunktin eingestuft, im Februar 1923 wurde sie mit Wirkung vom 1.1.1920 auf einen Dienstposten der Bes. Gr. 7 überführt, das heißt auf einen gehobenen Posten, der neben dem Kanzleidienst auch Verwaltungsarbeiten beinhaltete. Im Mai 1923 wurde ihr der Titel Hilfsämterdirektor verliehen. 1925 wurde sie als Oberkontrollor der VI Dkl. und 1929 in die V. DKl. übergeleitet.
Im Jahr 1935 wurde das Bundesamt für Statistik dem Bundeskanzleramt einverleibt, während die Austauschstelle beim Unterrichtsministerium verblieb. Blanka Valmagini wurde mit der Organisation und der Weiterführung der Arbeiten des Austauschdienstes betraut. Im Jahr 1929 wurden die Tauschbeziehungen auf das Deutsche Reich ausgeweitet und bis 1935 auf schließlich insgesamt zwölf Staaten gesteigert. In Zahlen bedeutete diese Verbreiterung des Arbeitsfeldes von 1.658 Sendungen ins Ausland (1928) auf 9.158 Pakete im Jahr 1938!
Im Jahr 1933 wurde die Austauschstelle der Nationalbibliothek angegliedert, ohne jedoch den erforderlichen Dienstposten und die Sachmittel der Nationalbibliothek zur Verfügung zu stellen. Die Arbeiten der Austauschstelle sollten ursprünglich von zwei Personen durchgeführt werden, doch mit der Angliederung an die Nationalbibliothek wurde nur Blanka Valmagini zugeteilt. Trotz der starken Steigerung stand Blanka Valmagini nur fallweise ein Mitglied des Freiwilligen Arbeitsdienstes zur Seite. Sie war direkt dem Generaldirektorstellvertreter Robert Teichl zugeteilt und arbeitete überwiegend selbständig und zur vollsten Zufriedenheit, wie aus den Akten hervorgeht. Jahrelang hatte sie u. a. zugunsten der Arbeit auf einen großen Teil ihres Urlaubs verzichtet!
Ihr Gehalt bekam die nunmehrige Fachinspektor Blanka Valmagini allerdings weiterhin vom Unterrichtsministerium direkt ausgezahlt, bis 1938 ein Dienstposten für sie an der Nationalbibliothek eingerichtet werden konnte und sie mit Oktober 1938 offiziell in den mittleren Bibliotheksdienst übernommen wurde.
Mit der Angliederung an die Nationalbibliothek erfolgte im April 1933 die Übersiedlung von der Herrengasse 23 in die Parterreräume des Albertina-Gebäudes, wobei die Bücherbestände großteils der Nationalbibliothek einverleibt wurden.
Nach der Auflassung der Internationalen Austauschstelle im Jahr 1940 teilte Generaldirektor Paul Heigl die damals bereits 66jährige Blanka Valmagini dem Bildarchiv zu. Aus dem Jahr 1942 hat sich folgende kurze Bestätigung Paul Heigls erhalten:
„Da die Genannte seit ihrer Jugend bei Verrichtung ihrer Dienstgeschäfte an das Rauchen von Zigaretten gewöhnt ist, wird empfohlen ihr auch weiterhin eine Raucherkarte auszustellen.“
Ihrer Arbeitskraft scheint das keinen Abbruch getan zu haben, denn trotz ihres hohen Alters wollte Heigl nicht auf ihre Dienste verzichten. Erst mit 72 Jahren (!), nach 47 Dienstjahren, wurde sie mit Ende August 1946 in den Ruhestand versetzt, weil sie nicht mehr voll einsatzfähig war, so die Begründung.

Literatur / Quellen

Trenkler, Ernst: Geschichte der Österreichischen Nationalbibliothek. Zweiter Teil: Die Nationalbibliothek (1923–1967). Hg. v. Josef Stummvoll. Verlag Brüder Hollinek, Wien 1973.
Harter, Herbert: Interessante Köpfe aus der Familie der Valmagini. In: Adler – Zeitschrift für Genealogie und Heraldik. 8. (XXII.) Band 1968–1970, Juli/Aug. 1969, Heft 10, S. 165–172.
ÖNB Archiv, Personalakt Blanka Valmagini; ÖstA, AdR, Personalakt Blanka Valmagini.

BiografieautorIn:

Christina Köstner-Pemsel

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