Popelka, Liselotte

* 23.5.1931, Wien
Kunsthistorikerin und Museumsdirektorin

L. P.s Großvater war der bekannte Historiker Oswald Redlich, der sie zu ihren Studien anregte. Ihr Vater war Direktor Ottokar Ritter von Popelka (1896-1964), elektrotechn. Planungsingenieur. Ihre Mutter hieß Hildegard (1895-1984). 1940 besuchte sie die Oberschule für Mädchen in Wien, danach ab 1944 die Oberschule für Jungen in Feldkirch. 1946 besuchte sie das Gymnasium für Mädchen im 6. Wiener Bezirk, Rahlgasse, und begann schließlich 1949 mit einem Studium der Kunstgeschichte, Geschichte, Germanistik, Archäologie und Philosophie an der Universität Wien, das sie 1957 mit dem Dr.phil. abschloss. Ihr Dissertationsthema lautete „Theatrum Castitatis. Susanna Hebraea sive Innocentia liberata. Ein Beitrag zur alttestamentlichen Ikonographie besonders des deutsch-niederländischen Kunstbereiches“. Parallel dazu bildete sie sich in Ikonographie und Quellenforschung am Institut für österreichische Geschichtsforschung aus, ihre späteren Forschungsschwerpunkte.
Anfangs 1957/58 wiss. Hilfskraft am Kunsthistorischen Institut d. Universität Wien, konnte sie mit einem Stipendium am Österr. Kulturinstitut nach Rom gehen. Leiterin der Kunstsammlungen am Heeresgeschichtlichen Museum, eine Position, die sie bis zur ihrer Pensionierung 1995 innehatte. Als wirkliche Hofrätin und stellvertretende Direktorin im Verteidigungsministerium erreichte sie damit als vermutlich einzige Kunsthistorikerin Österreichs eine Dienstklasse im Generalsrang. 1986-89 war die Geehrte als Österreichische Kommissarin für die XX. Europarats-Ausstellung „La Révolution Française et l’Europe 1789-1799“ in Paris und ab 1989 etliche Jahre als Vorstandsmitglied des Österreichischen Kunsthistorikerverbands tätig.
Seit 1982 wirkte L. P. als Lektorin an der Universität Wien, besonders für Museumskunde, Ausstellungswesen sowie Quellenkunde. 1991 habilitierte sie sich für das Gesamtfach Kunstgeschichte an der Universität Wien. Bereits 1972 hatte P. das Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich erhalten, 1985 das Goldene Ehrenzeichen. 2001 wurde ihr der Berufstitel einer Außerordentlichen Universitätsprofessorin verliehen.

L. P.s wissenschaftliches Interesse lag in fachübergreifenden Themenstellungen. Ihre Untersuchungen zu Prinz Eugen in seinem Verhältnis zur bildenden Kunst beginnen mit einem Aufsatz im Jahre 1963 und gipfeln im umfang- und inhaltsreichen Ausstellungskatalog „Eugenius in Nummis“, 1986. Einen Schwerpunkt bildeten des weiteren diverse Beiträge zum Phänomen der Kriegsmaler, die besonders in Italien geschätzt wurden (u. a. Vom „Hurra“ zum Leichenfeld, 1981; Bildjournalismus und Schlachtenbild im 17. Jahrhundert, 1984; Schlachtenbilder, Bemerkungen zu einer verachteten Bildgattung, 1984; Artisti nella guerra, 1990; Augenzeugen – Leidenszeugen – Vergessene. Österreichische bildende Künstler im Krieg, 1996; Il volto del nemico nell’opera dei pittori di guerra dell’Austria-Ungheria, 1997). L. P. verfasste auch zwei namhafte Beiträge zum Werk von Albin Egger-Lienz. Als Spezialistin galt die Kunsthistorikerin außerdem durch ihr Buch „Ein österreichischer Maler segelt um die Welt. Joseph Selleny und seine Aquarelle von der Weltreise der Novara 1857- 1859“, 1964.
Internationale Anerkennung erfuhr ihre Auseinandersetzung mit dem Phänomen der barocken Trauergerüste, welches auch das Thema ihrer Habilitationsschrift „Castrum Doloris“ oder „Trauriger Schauplatz“, die 1994 von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften veröffentlicht wurde, darstellte.

Werke

Teatrum Castitatis. Susanna Hebraea sive Innocentia liberata. Ein Beitrag zur alttestamentarischen Ikonographie, besonders des deutsch-niederländischen Kunstbereichs. Diss., 1956.
Marchfeldschlösser. Bergland Verlag, Wien, 1959.
Ein österreichischer Maler segelt um die Welt. Joseph Selleny und seine Aquarelle von der Weltreise der Novara 1857- 1959. Hermann Böhlaus Nachf. , Graz, 1964.
Ferdinand Staeger: Zeichnungen aus dem Ersten Weltkrieg, Katalog der Ausstellung ab März 1970 im Heeresgeschichtlichen Museum in Wien, Heeresgeschichtliches Mus./Militärwissenschaftliches Inst. Wien, 1970.
Fliegen im Ersten Weltkrieg. Gemälde und Zeichnungen, Bd 2, Heeresgeschichtliches Museum Wien. Wien, 1971.
Vom „Hurra“ zum Leichenfeld. Gemälde aus der Kriegsbildersammlung 1914-1918, Heeresgeschichtliches Museum Wien. Wien, 1981.
Eugenius in Nummis. Kriegs- und Friedenstaten des Prinzen Eugen in der Medaille, Heeresgeschichtliches Museum Wien. Wien, 1986.
Heeresgeschichtliches Museum Wien. Bonechi, 1988.
Castrum Doloris oder „Trauriger Schauplatz“. Untersuchungen zu Entstehung und Wesen ephemerer Architektur. Habil. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 19941991, gedr. 1994.

Literatur / Quellen

Broucek, P. / Peball, K.(Hg.): Geschichte der österreichischen Militärhistoriographie. Köln, Wien u. a., 2000.
Fellner, F. / Corradini, D. A.: Österreichische Geschichtswissenschaft im 20. Jahrhundert. Ein biographisch-bibliographisches Lexikon, Wien, 2006.
www.kunstgeschichte.univie.ac.at/institut/ifk-vergangenes0/archiv/goldenes-doktordiplom-popelka/

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