Kreuzeder, Elfriede

geb. Kühnle

* 19.5.1927, Wien, † 10.2.2013
Ethnologin, Philosophin und Pfarrerin

Ab 1938 Oberschule für Mädchen im 19. Wiener Gemeindebezirk; 1945 Matura am Realgymnasium; ab SS 1946 Studium der Kunstgeschichte und klassischen Archäologie an der Universität Wien; ab SS 1948 Studium der Völkerkunde mit dem Spezialgebiet Afrikanistik; Promotion in Völkerkunde im Februar 1951 bei Koppers und Heine-Geldern; ab WS 1951 Studium der Theologie an der Evangelisch-theologischen Fakultät in Wien, Abschluss 1955; ab 1951 – 1985 Laientheologin und im kirchlichen Außenamt tätig; ab dem Schuljahr 1951/52 Religionslehrerin an Volks- und Hauptschulen, nach Abschluss des Theologiestudiums ab 1955 teilzeitlich an AHS; Seelsorgehelferin; Referentin für Rundfunk und Fernsehen; 1986 Ruhestand, weiter tätig; 1991 als erste Frau zur Diakonin der Altkatholischen Kirche Österreichs geweiht; am 14.2.1998 empfängt E. K. als erste Frau in Österreich die Priesterweihe, als Seelsorgerin für homosexuell liebende Menschen tätig.

E. K. wurde als Tochter von Maria Margareta Kühnle und Otto Kühnle, Privatgelehrter, in Wien geboren.
Sie besuchte ab 1938 die Oberschule für Mädchen im 19. Wiener Gemeindebezirk; 1945 Matura am Realgymnasium; ab SS 1946 Studium der Kunstgeschichte und klassischen Archäologie an der Universität Wien; ab SS 1948 Studium der Völkerkunde mit dem Spezialgebiet Afrikanistik; Promotion in Völkerkunde im Februar 1951 bei Koppers und Heine-Geldern; ab WS 1951 Studium der Theologie an der Evangelisch-theologischen Fakultät in Wien, Abschluss 1955.
E. K. verlor durch den rassistischen Terror des NS-Regimes während der Schulzeit mehrere jüdische FreundInnen. E. K. entwickelte eine regimekritische Einstellung, weshalb sie Schwierigkeiten in der Schule bekam und nach der Matura 3 Monate zwangsweisen Kriegsdienst leisten musste. Am 1.4.1945 flüchtete E. K. vor den russischen Truppen nach Westen. Sie verlebte das Kriegsende als Magd auf einem Bergbauernhof am Mondsee. Am 1.11.1945 kehrte E. K. nach Wien zurück, wo sie mit den Eltern im 19. Bezirk wohnte. E. K. engagierte sich für die Altkatholische Kirche; ab 1946 arbeitete sie in der Jugendgruppe St. Salvator. Ab 1949 leistete sie zudem Jugendarbeit, arbeitete in der Lebensmittel- und Kleiderverteilung und knüpfte enge ökumenische Kontakte. Ihr Studienwechsel wurde von Prof. Dr. Dominik J. Wölfel angeregt, bei dem sie während des Studiums 3 Jahre am Museum für Völkerkunde arbeitete. In ihrer Dissertation nimmt E. K. Bezug auf die Schriften von Leo Frobenius und arbeitet durch das Aufzeigen von Übereinstimmungen bei verschiedenen Kulturelementen, z. B. Grabbauten, Polytheismus u. a., die europäischen Wurzeln der Königreiche der Yoruba, Benin, Ashanti und Dahomey heraus. Den Kern dieser Kulturen beschreibt sie als „…im Grunde doch mediterrane und – was für uns von besonderer Wichtigkeit ist – heute noch lebende, Archaische Hochkultur.“ Da es nach ihrer Promotion im Jahr 1951 für eine Angehörige der Altkatholischen Kirche keine Aussicht auf Anstellung an der Universität oder im Museum gab, begann E. K. nach ihrer Promotion das Studium der Theologie. Ab dem 1.9.1951 bis zum Jahr 1985 arbeitete E. K. als Laientheologin und war vor allem im kirchlichen Außenamt tätig. Ab dem Schuljahr 1951/52 gab sie Religionsunterricht an Volks- und Hauptschulen, nach Abschluss des Theologiestudiums ab 1955 teilzeitlich an einer AHS. Sie war zudem bei der Ausbildung von AmtskandidatInnen und LaienreligionslehrerInnen tätig und schließlich hauptamtlich als „Seelsorgehelferin“ (entspricht einer Pastoralassistentin). E. K. engagierte sich vor allem für die Ökumene, sie arbeitete in römisch-katholischen Gemeinden und baute Verbindungen zur Anglikanischen Kirchengemeinschaft auf. 1957 verbrachte E. K. 3 Monate in den USA um ihre Kontakte zur (anglikanischen) Episkopalkirche zu vertiefen. Es folgen zahlreiche dienstliche Auslandsreisen, vor allem nach England, Deutschland, in die Schweiz und nach Thailand. E. K. war maßgeblich an der Gründung des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich beteiligt, trat als Referentin für Rundfunk und Fernsehen auf und war Mitbegründerin der „Ökumenischen Morgenfeier“ im ORF. E. K. galt deshalb bald als eine der „Säulen“ der ökumenischen Bewegung Österreichs und war eine Wegbereiterin christlich-ökumenischer Medienarbeit. Im Jahr 1986 trat sie in den Ruhestand, blieb aber weiterhin ehrenamtlich für die Altkatholische Kirche tätig. Im Jahr 1991 wurde E. K. als erste Frau zur Diakonin der Altkatholischen Kirche Österreichs geweiht. Am 14.2.1998 empfing E. K. als erste Frau in Österreich die Priesterweihe und war fortan als Seelsorgerin für homosexuell liebende Menschen tätig. Wissenschaftlich arbeitete E. K. im Bereich der Religionswissenschaft weiter; sie war Examinatorin für das Alte und Neue Testament und verfasste Arbeiten zum Thema Erwachsenenbildung. Erst E. K.s jüngste Arbeit stand wieder im Zusammenhang mit der Ethnologie; sie arbeitete an einer Studie über megalithische Spuren im Alten Testament.
E. K. war Gründungsmitglied des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) 1958; jahrelang Vizepräsidentin des ÖRKÖ; Gründungsmitglied des ökumenischen Weltgebetstages der Frauen (WGT) und langjähriger Vorstand des Nationalkomitees des WGT; Mitbegründerin der Ökumenischen Morgenfeier im Österreichischen Rundfunk; 1961- 1962 Stellvertretende Vorsitzende des Ökumenischen Jugendrates; Vizepräsidentin der Österreichischen Bibelgesellschaft; Februar 1986 Silbernes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich; 1971- 1974 und 1993-1997 Vorstandmitglied des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit.
E. K. heiratete im April 1953 ihren Studienkollegen, den Theologen und Rechtswissenschafter Ernst Kreuzeder (*1931), im Dezember 1954 Geburt der Zwillinge Ruth und Ronald.

Werke

E. K. publiziert mehrere Artikelserien in der „Altkatholischen Kirchenzeitung“.
Mediterrane Elemente in den westafrikanischen Hochkulturen. Diss. Univ. Wien, 1950.
Theologische Anthropologie von Mann und Frau. In: Internationale Kirchliche Zeitschrift, 1985.
Ängste der Ökumene. In: Christus spes – Glaube und Liturgie im ökumenischen Kontext, 1994.
Kleine Geschichte der Kirche von England. Marek, 2001.
The emancipation of women as a challenge to the Church. In: Anglican Theological Review, Vol. 84, Sommer 2002.

Literatur / Quellen

Schödl, I. (Hg.): Gottes starke Töchter. Zwölf Frauen in der Kirche von heute. Mödling, 1998, S. 4.
Smetschka, B.: Frauen – Fremde – Forscherinnen. Leben und Werk der Absolventinnen des Wiener Instituts für Völkerkunde 1945- 1975. Ein Beitrag zur Wissenschafts- und Frauengeschichte. (Europäische Hochschulschriften). Frankfurt/M., Berlin, 1997.
www.altkatholiken.at/geistliche/el_kreuzeder.htm

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