Faißner, Waltraud

geb. Schröck; Bibliothekarin
* 6.11.1952, Grünbach am Schneeberg, NÖ

Herkunft, Verwandtschaften: Mutter: Erika Schröck, geb. Horinek (1934 in Sopron, Ungarn – 1983, Hausfrau, später Verkäuferin). Vater: Hermann Schröck (1930 in Grünbach am Schneeberg – 2007, Tischler, Zimmermann im örtlichen Steinkohlebergwerk, Maschinist in der VÖEST). Erika und Hermann Schröck heirateten 1952; bereits 1955 beschlossen die Eheleute, nach Linz zu übersiedeln (mit dem Steinkohlenbergbau in Grünbach stand es nicht zum Besten, er wurde 1965 endgültig geschlossen).
Ihre gemeinsamen Kinder Waltraud, Egon und Erwin (geb. 1956, Neunkirchen) wurden zwar in Niederösterreich geboren, die Familie hatte aber ab 1955 ihren Lebensmittelpunkt in Linz.
LebenspartnerInnen, Kinder: Verheiratet mit Gerhard Faißner (geb am 4. Februar 1949 in Eisenerz, Steiermark); 3 Töchter (Doris, geb. 1973, Andrea, geb. 1976, Angelika, geb.1983).
Ausbildungen: Nach der Hauptschule (1963 – 1967, A-Zug) Übertritt in die Oberstufe des Wirtschaftskundlichen Bundes-Realgymnasiums in Linz, Hummelhof (jetzt Landwiedstraße); Reifeprüfung 1971 mit Auszeichnung; Ausbildungslehrgang für BibliothekarInnen des gehobenen Dienstes an wissenschaftlichen Bibliotheken an der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien, Dienstprüfung 1973 mit ausgezeichnetem Erfolg.
Laufbahn: Waltraud Faißner begann ihre berufliche Laufbahn 1971 als Vertragsbedienstete an der Hochschule für Sozial- und Wirtschaftswissenschaften (jetzt Johannes-Kepler-Universität) in Linz in der Bibliothek des Instituts für Statistik und Informatik. Nach der Geburt des ersten Kindes war sie von 1974 bis 1976 teilzeitbeschäftigt, löste aber 1977 das Dienstverhältnis, um sich vorwiegend der Erziehung ihrer Töchter zu widmen.
In den Jahren 1981 bis 1987 wirkte sie als freie Mitarbeiterin in der Katalogisierung mehrerer Linzer Bibliotheken, danach trat sie als Vertragsbedienstete in den oberösterreichischen Landesdienst ein und war teilzeitbeschäftigt in der Bibliothek des Oberösterreichischen Landesmuseums tätig, deren Leitung sie 1994 übernahm. Es folgten zahlreiche Weiterbildungen und in Kooperation mit der Oberösterreichischen Landesbibliothek die Aufnahme „ihrer” Bibliothek − als erste Museumsbibliothek − in den Österreichischen Bibliothekenverbund.
Nach der 2002 von ihr kuratierten Ausstellung im Schlossmuseum „‘Er-lesenes‘ − die Bibliothek des Oberösterreichischen Landesmuseums und ihre Sammlungen“ verstärkte sie die Auseinandersetzung mit den Sondersammlungen.
Seit Beginn der siebziger Jahre (1973?) war sie Mitglied der Vereinigung Österreichischer Bibliothekare (VÖB), 2003 trat sie der Kommission für Bibliotheksgeschichte und Altes Buch bei.
2004 veröffentlichte sie ihr erstes Linzer-Torten-Buch und rückte damit die Sondersammlung der historischen Kochbücher (Manuskripte und Drucke) ins Blickfeld. Von nun an wurde die Linzer Torte ein gern genutzter Gegenstand der Öffentlichkeitsarbeit des Museums und weit über das Berufsleben hinaus zu ihrem Hobby – die vielbeachtete Entdeckung des ältesten Linzer-Torten-Rezeptes in einem Manuskript der Admonter Stiftsbibliothek ereignete sich übrigens 2005 während einer Exkursion der VÖB-Kommission.
Auch als Linz 2009 Kulturhauptstadt Europas wurde, bildete die „Linzer Torte” einen wichtigen Programmpunkt. In Kooperation des OÖ. Landesmuseums mit einem Großkaufhaus der Innenstadt ging der „1. Tag der Linzer Torte“ über die Bühne. Ein Backwettbewerb und eine Gala im Schlossmuseum, bei der Teile der Operette „Linzer Torte“ (1946) von Studenten der Anton-Bruckner-Privatuniversität konzertant aufgeführt wurden und die Linzer Torte in Prosa, Lyrik und Satire präsentiert wurde, lockte viele Teilnehmer und Zuschauer an.
Die von ihr 2009 etablierte Datenbank für historische Rezepte aus den Kochbuchmanuskripten der Museumsbibliothek www.AltesKochbuch.at beinhaltet alle Rezepte für Linzer Torte aus der Sammlung im Originaltext mit Transliteration und Umrechnung sowie hunderte weitere Rezepttitel. Die Datenbank ist Teil einer gemeinsamen Kochbuchplattform der Universitätsbibliotheken Graz und Salzburg und des Oberösterreichischen Landesmuseums.
2010 – am „2. Tag der Linzer Torte” erschien eine überarbeitete und erweiterte Neuauflage ihres Linzer-Torten-Buches. 2012 trat Waltraud Faißner in den Ruhestand. Im selben Jahr erschien ihr Buch zu den bekannten Linzer Kleingebäcken unter dem Titel „Linzer Augen”. Die Geschichte und die Rezepte der Linzer Torte (ob alt oder modern) bleiben Gegenstand ihres Interesses und ihre beträchtliche Sammlung von Rezepten von 1653 bis in die Gegenwart wird laufend erweitert.
Förderungen, Kooperationen, Freundschaften: Besondere Förderung erfuhr Waltraud Faißner durch Peter Assmann, Direktor des Oberösterreichischen Landesmuseums 2000 – 2013, der durch die Wertschätzung der Bibliothek selbstständiges Arbeiten, jede Form von Weiterbildung und Zusammenarbeit mit anderen Bibliotheken und die Öffnung und Präsentation der Museumsbibliothek unterstützte. Freundschaftliche Beziehungen pflegt sie mit ihren MitarbeiterInnen, den Bibliothekarinnen und Bibliothekaren der Oberösterreichischen Landesbibliothek, mit Heidi und Hans Zotter (beide bis 2009 an der Universitätsbibliothek Graz) und mit den Mitgliedern der Kommission für Bibliotheksgeschichte und Altes Buch in der Vereinigung Österreichischer Bibliotherkarinnen und Bibliothekare (VÖB).
Wurde der Bibliothekarinnenberuf angestrebt? Der Beruf war seit der Kindheit als „unerreichbarer Traumberuf“ präsent – und wurde 1971 durch einen glücklichen Zufall Wirklichkeit.
Auch im Ruhestand verfolgt Waltraud Faißner alle bibliothekarischen Neuerungen mit Interesse, nutzt gern die unkomplizierten Recherchen im Intenet, genießt die vielfältigen Kontakte mit KollegInnen und wird auch weiterhin Mitglied der Kommission für Bibliotheksgeschichte bleiben und deren Weiterbildungen besuchen.
Die Arbeit mit alten Kochbüchern ist nun ganz zum Hobby geworden – die private Kochbuchsammlung wird laufend erweitert und Waltraud Faißner ist eine gefragte Vortragende zu ihrem Spezialthema und würde auch sehr gern weiter an der Bestückung der Rezeptdatenbank des Landesmuseums arbeiten, leider ruhen hier gegenwärtig alle Möglichkeiten.

Werke

1993–2012 Zahlreiche kleinere Artikel zu den Sondersammlungen der Bibliothek des Oberösterreichischen Landesmuseums im „OÖ. Museumsjournal“ (1993–2000 unter dem Titel „Aus der Museumsbibliothek“).
1994–2011 Jährliche Jahresberichte der Bibliothek im „Jahrbuch des OÖ. Musealvereines, Gesellschaft für Landeskunde“ (Bibliotheksstatistik, bedeutende Neuerwerbungen und Schenkungen, Neuerungen).
„Er-lesenes” – Die Bibliothek des OÖ. Landesmuseums und ihre Sammlungen. In: Unsere Heimat, 2002.
Wie mann die Linzer Dortten macht. Historische Rezepte zur „Linzer Torte“ aus der Kochbuchsammlung der Bibliothek des Oberösterreichen Landesmuseums. 2004.
Linzer Turdten zu machen. Zur Auffindung der bislang ältesten Rezepte der Linzer Torte. In: OÖ. Heimatblätter, 2006.
Die Bibliothek der Oberösterreichischen Landesmuseen und ihre Sammlungen. In: Neues Museum, 2007.
2007–2009 Universum Oberösterreich – 100 Leitobjekte oberösterreichischer Kulturgeschichte aus dem Landesmuseum, Oberösterreichische Nachrichten. Es erscheinen auch 6 Artikel über Objekte der Bibliothek.
Die ORF-Sendung „aufgetischt“ mit René Freund sendet einen Beitrag aus der Museumsbibliothek über Linzer Torte 2009.
2008–2009 Küchenmeisterey – Interessantes aus alten Kochbüchern. 13 monatliche Artikel in der Wochenendbeilage der Oberösterreichen Nachrichten „Was ist los?“
Die Musikalienbestände der Bibliothek der Oberösterreichischen Landesmuseen in Linz. In: Vierteltakt, 2009.
Oberösterreichische Spezialitäten – von der Linzer Torte zur Schwedenbombe. In: Mahlzeit. Katalog OÖ. Landesausstellung Stift Schlierbach, 2009.
Linzerische Torten auf andere Art. Historische Rezepte zur „Linzer Torte“ aus der Kochbuchsammlung der Bibliothek des Oberösterreichen Landesmuseums und anderen Quellen. Überarb. u. erw. Neuaufl. 2010.
Linzer Augen. Süße Rezepte, 2012.

 

Ausstellungen
2002 „Er-lesenes“. Die Bibliothek des Oberösterreichischen Landesmuseums und ihre Sammlungen. Zimelien aus allen Sondersammlungen, präsentiert im Schlossmuseum Linz.
2009–2012 Regelmäßige Wechselausstellungen nach Eröffnung des Zubaues zum Schlossmuseum („Südflügel“) im eigens eingerichteten Raum „Bibliothek und Grafische Sammlung“.

Biografieautor:

Heidi Zotter-Straka

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