Rosenstrauch, Edith

geb. Königsberg, Ps. Erich König

* 6.11.1921, Wien, † 24.12.2003
Germanistin, Historikerin und Philologin

Geb. am 6.11.1921 in Wien, gest. am 24.12.2003. Ihr Grab befindet sich am Wiener Zentralfriedhof; Besuchte 1927 bis 1931 die Volksschule für Mädchen in der Treustraße 9, danach das Realgymnasium in Wien 9; bis Ende April 1938 Schulbesuch in Wien, aus der siebenten Klasse ausgewiesen; 1938 Kindergärtnerinnenausbildung, die von der Israelitischen Kultusgemeinde organisiert war; besuchte nach der Rückkehr nach Wien den Geistes- und naturwissenschaftlichen Überbrückungskurs; legte in kürzester Zeit die (Not-) Matura ab; 1947-1951 Studium der Germanistik und Anglistik an der Universität Wien, 1965-1970 Fortsetzung des Studiums, 1971 Promotion zum Dr.phil.; Mitbegründerin des Studienkreises für Kulturbeziehungen in Mittel- und Osteuropa, bis 1990 Redakteurin und Vizepräsidentin der Österreichischen Gesellschaft zur Erforschung des 18. Jahrhunderts und Vizepräsidentin des Vereins zur Erforschung der Französischen Revolution in Österreich; Pionierin der Josephinismus-Forschung; 1942 Heirat mit Oskar (Ossi) Rosenstrauch, 2 Töchter.

E. R. wurde als Tochter von Rosalie Trompeter und Kalman Moses (Max) Königsberg, von Beruf Schneider, in Wien geboren. Die Eltern verstarben während des 2. Weltkriegs im Ghetto nahe Riga. E. R. besuchte 1927 bis 1931 die Volksschule für Mädchen in der Treustraße 9, danach das Realgymnasium in Wien 9. Bis Ende April 1938 konnte sie, die das Lernen an sich stets liebte, die Schule in Wien besuchen, wurde jedoch als Mädchen jüdischer Herkunft aus der siebenten Klasse ausgewiesen. Daraufhin begann E. R. 1938 eine Kindergärtnerinnenausbildung, die von der Israelitischen Kultusgemeinde organisiert war. Am 10.1.1939 gelangte E. R. mit ihrer Schwester mit einem Kindertransport nach London mit der Hoffnung, in einem Kindergarten arbeiten zu können. Den Kindergarten gab es jedoch nicht mehr und so war sie zunächst Haustochter bei der Familie, bei der auch ihre Tante arbeitete. Danach war sie im Heim der Quäker tätig. Sie war aber auch Haushälterin und unterbezahlte Hilfsarbeiterin in einer Hutfabrik, als Näherin von Damenwäsche und Herrenhosen und am Fließband in einer Nahrungsmittelfabrik tätig. Schließlich ließ sie sich zur Metallarbeiterin umschulen und arbeitete für die Kriegsindustrie. Während jener Zeit kam sie mit dem Austrian Center in Berührung und arbeitete dort eine Zeit lang unbezahlt am Buffet. Weiters verfasste sie Beiträge für die Emigrantenzeitschrift „Junges Österreich“. 1942 lernte sie ihren Mann Oskar Rosenstrauch kennen, bald darauf heirateten sie und ihre erste Tochter kam zur Welt. 1946 kehrte sie mit ihren Töchtern nach Wien zurück, nachdem ihr Mann bereits vorausgereist war. E. R. besucht den Geistes- und naturwissenschaftlichen Überbrückungskurs. In kürzester Zeit legt sie die (Not-) Matura ab und wird Mitglied der KPÖ. 1968 tritt sie jedoch aus der KPÖ wegen Einmarsch der Truppen des Warschauer Paktes in die CSSR aus. Trotz ihres distanzierten Verhältnisses zur Partei wird ihr in ihrer weiteren Laufbahn eine universitäre Karriere aufgrund ihrer politischen Gesinnung verwehrt.
1947-1951 studiert E. R. Germanistik und Anglistik an der Universität Wien und nimmt es in den Jahren 1965-1970 auf Zuspruch von Prof. Benda wieder auf, der sie drängt ihr Studium zu beenden. Dazwischen unterrichtete sie in Diplomatenkreisen Englisch, gab dies aber bald wieder auf, da es weder geistigen noch finanziellen Anreiz für sie bot. Sie arbeitete in jenen Jahren auch als Verlagslektorin im Globus-Verlag.
1971 erfolgte schließlich ihre Promotion zum Dr.phil. bei Prof. Seidler, der jedoch kein Interesse an E. R.s Dissertation zeigte und von dem sie auch keine Betreuung erhielt. Prof. Zeman war ihr eigentlicher Unterstützer.
Sie war Mitbegründerin des Studienkreises für Kulturbeziehungen in Mittel- und Osteuropa und bis 1990 Redakteurin und Vizepräsidentin der Österreichischen Gesellschaft zur Erforschung des 18. Jahrhunderts und Vizepräsidentin des Vereins zur Erforschung der Französischen Revolution in Österreich. Sie hielt Vorträge an der Sorbonne in Paris zum 200-jährigen Jubiläum der Französischen Revolution und in San Leo, Italien, auf eine Einladung der Universität Bologna hin.
E. R. gilt als Pionierin der Josephinismus-Forschung und trug wesentlich zu einer Neubewertung der literarischen Aufklärung in Österreich bei. E. R. arbeitete fast ausschließlich interdisziplinär und bereits mit ihrer Dissertation verfasste sie ein für Historiker unentbehrliches Werk. In ihrem weiteren Schaffen setzt sie sich u. a. auch mit den Spannungsaspekten zwischen Aufklärung und Okkultismus auseinander. E. R. war Mitglied des Vereins österreichischer Widerstandskämpfer und Opfer des Faschismus, sowie Mitglied von Young Austria in Großbritannien.
1995 wurde ihr das Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst verliehen, 2002 erhielt sie die Goldene Ehrenmedaille der Stadt Wien.

Werke

Schriften
Freimaurerei im josephinischen Wien: Aloys Blumauers Weg vom Jesuiten zum Jakobiner. W. Braumüller, Wien, Stuttgart, 1975.
Freimaurer, Illuminat, Weltbürger: Friedrich Münters Reisen und Briefe in ihren europäischen Bezügen. U. Camen, Berlin, 1984.
Gem. mit Dutu, A. / Hösch, E. / Oellers, N.: Brief und Briefwechsel im 18. Und 19. Jahrhundert als Quellen des Kulturbeziehungsforschung. Camen, Berlin, 1984- 1989.
Die Realzeitung als Kommunikationsmittel in der Habsburger Monarchie. In: Zeitschriften und Zeitungen des 18. Und 19. Jahrhundert in Mittel- und Osteuropa. U. Camen, Berlin, 1986.
Funktion und Möglichkeiten einer deutschsprachigen Zeitschrift in Ungarn: die Zeitschrift von und für Ungarn. In: Zeitschriften und Zeitungen des 18. Und 19. Jahrhundert in Mittel- und Osteuropa. U. Camen, Berlin, 1986.
Literatur der Aufklärung 1765- 1800. Böhlau, Wien, 1988.
Zirkel und Zentren. Aufsätze zur Aufklärung in Österreich am Ende des 18. Jahrhunderts. 1991.

Übersetzung

Margarete Rainer (d. i. Gerda Lerner): Es gibt keinen Abschied (No Farewell. A novel. New York: Associated Authors 1955) Globus, Wien, 1953, 3. Auflage 1955.

Literatur / Quellen

Blumesberger, S. / Doppelhofer, M. / Mauthe, G. (Bearb.) / Österr. Nationalbibliothek (Hg.): Handbuch österreichischer Autorinnen und Autoren jüdischer Herkunft. 18. bis 20. Jahrhundert. Saur, München, 2002.
Müller-Kampel, B. (Hg.): Edith Rosenstrauch-Königsberg. Von der Metallschleiferin zur Germanistin. Lebensstationen und historische Forschungen einer Emigrantin und Remigrantin aus Wien. Böhler, Wien, 2001.
Rosenstrauch, Hazel: Erstaunter Blick zurück. Edith Rosenstrauch-Königsberg 1921- 2003. Verlag der Theodor Kramer Gesellschaft, Wien, 2004.
Tidl, M.: Die Roten Studenten. Dokumente und Erinnerungen 1938-1945. (= Bd. 3 der Materialien zur Arbeiterbewegung). Europaverlag, Wien, 1976 .

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