Margarethe von Cilli; Herzogin von Schlesien, Herrin von Groß-Glogau und Gräfin von Cilli
Geb. ?
Gest. 22.7.1480

Herkunft, Verwandtschaften: Eltern: Eltern: Graf Hermann III. von Cilli († 1426) und Elisabeth von Abensberg († 1423), Witwe nach Graf Ulrich II. von Schaunberg († 1398), Halbbrüder aus der ersten Ehe ihrer Mutter: Graf Johann von Schaunberg († 1453), verheiratet mit Anna von Pettau († 1465); Georg († 1402).

LebenspartnerInnen, Kinder: Verheiratet in erster Ehe mit Graf Hermann von Montfort-Pfannberg († 1444), in zweiter Ehe mit Herzog Włodek von Teschen-Glogau († 1460); Kinder: aus erster Ehe: Georg († 1447); Hans († 1469), verheiratet mit einer Tochter des böhmischen Adeligen und Heerführers Jan Vitovec († vermutlich 1469); Hermann II. von Montfort-Pfannberg († 1482), verheiratet mit Cäcilie von Lichtenstein-Murau; Barbara.

Laufbahn: M. entstammte väterlicherseits der Grafenfamilie von Cilli, die unter M.s Großvater Graf Hermann II. von Cilli († 1435) durch seine Verbindung zu Sigismund von Luxemburg, seit 1387 ungarischer, seit 1410/11 römisch-deutscher und seit 1420 böhmischer König im südosteuropäischen Raum zu Macht und Ansehen gelangten. M.s Tante, Barbara von Cilli († 1451), war die zweite Frau Sigismunds.

M.s Vater Hermann III. kam noch zu Lebzeiten seine Vaters, des mächtigen Hermann II. von Cilli am 30. Juli 1426 durch Sturz vom Pferd ums Leben. Hermann III. war zwei Mal verheiratet. Seine erste Frau war Elisabeth von Abensberg († 1423), Tochter Johanns von Abensberg in Niederbayern († 1401) und Witwe nach Ulrich II. von Schaunberg († 1398). seit 1424 war er in zweiter Ehe mit Beatrix von Bayern-München († 1447), Tochter Herzog Ernsts von Bayern-München und Pfalzgraf bei Rhein († 1438) vermählt. M. war das einzige Kind, das er bei seinem Tod zurückließ. M. entstammte der ersten Ehe ihres Vaters, die 1401 geschlossen wurde. Vom 7. Februar 1401 datiert die Heiratsvereinbarung zwischen Elisabeth und Graf Hermann II. von Cilli; Elisabeth versprach dem Grafen bis Pfingsten mit seinem Sohn Hermann das Beilager zu halten und ihm 16 000 Gulden als Heiratsgut mitzubringen. Als Herzogin von Teschen-Glogau hat M. ihren Oheim Johann von Abensberg wegen Erbansprüchen von Seiten ihrer Mutter beim Reichskammergericht geklagt und deswegen war auf Betreiben des Königs im Mai 1445 über diesen die Reichsacht verhängt worden. M. hat vielleicht in Bayern Jahre ihrer Erziehung verbracht, denn als hochbetagte Herzogin von Glogau, hat sie ihrem Schreiber Johann und seiner Frau Anna einen erblichen Zins vermacht. In diesem Zusammenhang wird auch erwähnt, dass sie diese aus dem Lande Bayern und der Stadt München mit sich hierher gebracht und von Kind auf bei sich erzogen hat.

M. v. C. heiratete in erster Ehe Graf Hermann I. von Montfort-Pfannberg († 1444), den Enkel des Minnesängers und Politikers Hugo von Montfort († 1423). Das genaue Hochzeitsdatum ist nicht bekannt, jedoch ist sie in einem Verzichtsbrief vom 5. März 1430 als Frau des Grafen bezeugt. Zwischen den Cilliern und den Pfannbergern gab es schon früher eine Eheverbindung. M.s Onkel Hans von Cilli († 1372) war mit Margarethe von Pfannberg († 1396) verheiratet. Als Witwe heiratete Margarethe von Pfannberg Hugo von Montfort, dessen erste Ehe von drei diese Verbindung war. Diese Linie der Montforter Grafen wählte die südlich von Bruck an der Mur und nördlich von Graz gelegene Burg Pfannberg als ihre Hauptresidenz. Aus der Ehe M.s v. C. mit Hermann von Pfannberg gingen vier Kinder hervor: Hermann, Georg, Hans und Barbara. Georg starb 1447 in jungen Jahren. Hans, mit einer Tochter des in Diensten der Cillier stehenden böhmischen Adeligen und Söldnerführers Jan Vitovec verheiratet, starb 1469, ohne Kinder zu hinterlassen. Hermann II. von Montfort-Pfannberg († 1482) war mit Cäcilie von Liechtenstein-Murau verheiratet und setzte die Linie Montfort-Bregenz-Pfannberg fort.

M. v. C. verlor ihren Mann 1444. Noch im selben Jahr wurde eine neue Ehe angebahnt und zwar mit Herzog Włodek (Władisławs, Ladislaus) von Teschen und Herrn der halben Stadt und des halben Fürstentums Glogau (Glogów). M. war etwa Mitte Dreißig und der Herzog etwa ein Jahrzehnt jünger als sie. Über die näheren Umstände, die zur Heirat führten, ist nichts bekannt. Eine Schlüsselrolle könnten dabei die Verbindungen des Teschener Fürstenhofes einerseits und der Pfannberger andererseits zu König und Kaiser Friedrich III. (reg. 1440-1493; seit 1452 Kaiser), der als Herzog Friedrich V. die Steiermark, Kärnten und Krain (seit 1424) und Österreich (seit 1439) regierte, gespielt haben. Friedrichs Mutter, Cimburgis von Masowien († 1429), war eine Schwester der Mutter Herzog Włodeks. Hermann von Montfort-Pfannberg hatte bereits 1435 Vorkehrungen für den Fall seines Todes bei Unmündigkeit seiner Kinder getroffen und Friedrich zum Vormund eingesetzt. Diese enge Beziehung hielten auch M. s Söhne Hermann und Hans aufrecht.

Die Heirat bedeutete für M. eine Rangerhöhung, während sich der Herzog eine stattliche Mitgift erwarten durfte. In diesem Zusammenhang steht wohl auch die bereits erwähnte Klage vor dem Reichskammergericht. Die Herzogin kam am 6. Februar 1445 nach Glogau. Aus der Zeit an der Seite ihres Mannes ist nicht viel bekannt. 1450 erließ das Herzogspaar einen Freibrief für die jüdische Bevölkerung in ihrem Stadtteil. Die Ehe blieb kinderlos. Herzog Włodek starb am 14. Februar 1460, und M. wurde formal zur Herrin von Glogau, das ihr Leibgedinge war. Von ihrer Frömmigkeit zeugen kirchliche Stiftungen. 1463 erwirkte M. die Erlaubnis für eine theophorische Prozession an jedem Donnerstag. 1465 ließ sie Franziskanerobservanten (Bernhardiner) nach Glogau sowie in das nahe gelegene Freystadt (Wschwa) kommen. Dramatisch verlief ihre letzte Lebensphase. M. wurde in den so genannten Glogauer Erbfolgestreit (1476-1482) hineingezogen und von Herzog Hans II. von Sagan († 1504) in ihrer Burg belagert; trotz der Unterstützung der Bevölkerung, ihres Erben, Herzog Kasimier, und anderer schlesischer Fürsten, musste die Herzogin am 30. April 1480 um Frieden bitten. Die Herzogin verließ mit ihrem Gefolge, darunter auch Juden, am nächsten Tag die Stadt und ließ sich in der ihr gehörigen Stadt Guhrau (Góra Śląska) nieder, wo sie am 22. Juli desselben Jahres verstarb.

Mit M. v. C. war die letzte weibliche Angehörige dieses für die Geschicke Südosteuropas so bedeutenden Adelsgeschlechts dahingeschieden, dessen Ende durch die Ermordung des letzten männliche Vertreters Graf Ulrich von Cilli im Jahr 1456 besiegelt worden war.

Bereits elf Jahre vor ihrem Tod hatte M. verfügt, dass sie in der Kollegiatskirche in Glogau begraben werden sollte. Damit reihte sie sich in eine bereits bestehende Tradition ein. Die Glogauer Kollegiatskirche war eine herzogliche Stiftung und während des Zeitraums vom 13. bis zum 15. zu einer Fürstennekropole geworden. Im Kirchenchor befanden sich zur Zeit M.s zwei vollplastische an der Wand stehende Standbilder – von Herzog Konrad I. († 1273/74) und seiner Frau Salome († 1274) sowie ein Tumbagrab der Herzogin Mechthild († 1318). Es wird vermutet, dass M.s Grabmonument, das sie wohl selbst in Auftrag gegeben hat, und vor Mitte des 18. Jahrhunderts beseitigt wurde, im Hauptchor stand. 1893 wurde der Sarkophagdeckel aufgefunden, 1894-1895 restauriert und in der Nordwand der Vorhalle, die das Langhaus der Kirche mit dem Turm verbindet, eingemauert. Die aus kleinkörnigen Sandstein gemeißelte Grabplatte von 254 Zentimeter Breite und 270 Zentimeter Höhe, ist größer als alle anderen bekannten mittelalterlichen schlesischen Grabplatten. Die Figur der Herzogin ist in 190 Zentimeter Länge dargestellt mit der für Darstellungen der schlesischen Herrscher seit der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts typischen herzoglichen Mitra. Die die Platte umlaufende Inschrift gibt das Jahr ihres Todes an (mit dem Todesdatum in der Nähe, aber außerhalb der Inschriftenzone,) und weist sie als Margarethe, Herzogin von Schlesien, Herrin von Groß-Glogau und Gräfin von Cilli aus. Als einziges Wappen ist das ihrer Herkunftsfamilie, der Grafen von Cilli, abgebildet (Abb.: Kacmarek, 387, Abb. 2).

L.: Blaschke 1913, Dopsch 1974/75, Fugger Germadnik 1999, Gottschalk 1971, Kacmarek 1999, Müller 1955

 

Ingrid Roitner