Jelinek Adele, eigentl. Jellinek; Schriftstellerin

Geb. Wien, 2.3.1890
Gest. Theresienstadt, Deutsches Reich (Terezin, Tschechien), 3.9.1943

Herkunft, Verwandtschaften: Kam als Tochter des Lackierers Samuel Jellinek und seiner Frau Anna, geb. Spitz im Wiener Proletarierbezirk Ottakring, in der Gablenzgasse 9, zur Welt. Im Kindesalter an einer rheumatischen Entzündung in den Gelenken leidend, war sie nach einer fehlgeschlagenen Operation an den Rollstuhl gefesselt. Von ihren vier Geschwistern wurde ihre Schwester Rosa (*1892) nach Minsk deportiert und ermordet und ihr Bruder Josef (*1894), Redakteur des „Kleinen Blattes“ und des „Arbeiter-Sonntags“, starb am 5. Oktober 1942 im KZ Sachsenhausen.

Laufbahn: A. J. trat vor allem mit Erzählungen, Feuilletons und Skizzen in den Zeitungen „Neue Erde“, „Arbeiter-Zeitung“, „Das Kleine Blatt“, „Die Unzufriedene“, „Deutsche Freiheit“, „Neues Wiener Abendblatt“ und „Neues Wiener Tagblatt“ hervor, bei denen fast durchwegs soziale Probleme mitschwingen. Vereinzelt veröffentlichte sie auch Lyrik. Zwei von den sozialdemokratischen Kinderfreunden gestiftete Preise für dramatische Jugenddichtungen entfielen im Herbst 1928 auf A. J. Nach dem Februar 1934 wurden nur mehr sporadisch Beiträge von ihr veröffentlicht. Die Schriftstellerin, die nach dem März 1938 ihre Wohnung in Ottakring, Thaliastraße 93 verlassen musste, fand nach einer Zwischenstation in der Leopoldstadt, Große Mohrengasse 20, im Altersheim der Israelitischen Kultusgemeinde Wien im 9. Bezirk, Seegasse 9, ihre letzte Unterkunft in Wien. Mit vielen anderen Insassen dieses Heimes wurde sie am 25. Mai 1943 mit einem Güterzug nach Theresienstadt deportiert. Nach ihrer Ankunft im Ghetto Theresienstadt lebte A. J. nur noch kurze Zeit. Sie starb am 3. September 1943.

Mitglsch.: Mitglied der Vereinigung sozialistischer Schriftsteller.

Qu.: Tagblattarchiv (Personenmappe).

W.: Roman „Das Tor“, Erstdruck in Fortsetzung in der „Arbeiter-Zeitung“, dem Zentralorgan der österreichischen Sozialdemokratie, vom 17. Februar bis 26. April 1929. 1926-1934 in der AZ Novellen, Fortsetzungsromane und Gedichte. Einzelne Veröffentlichungen im „Neuen Wiener Abendblatt“, der „Volkszeitung“ und in „Die Unzufriedene“; letzter Artikel 7.2.1938.

L.: Bolbecher/Kaiser 2000, Exenberger 2000, Früh 2004