Helbok Klaudia (auch Claudia)

Kunsthistorikerin und Bibliothekarin
*10.5.1905 Dornbirn, Vbg.; † 7.10.1994 Wien

Herkunft, Verwandtschaften: Tochter von Engelbert Helbok (gest. 1932), Postdirektor in Hoechst, die Mutter stammte aus Feldkirch.
LebenspartnerInnen, Kinder: Ledig, keine Kinder.
Ausbildungen: Oberrealschule in Dornbirn, 1925 Matura, danach Ergänzungsmatura an der Univ. Innsbruck, WS 1926/27 bis WS 1927/28 sowie vom WS 1929/30 bis WS 1930/31 Studium der Germanistik, Anglistik, Romanistik und Klassischen Philologie, SoSe 1928 bis SoSe 1929 Studium der Geschichte, Germanistik, Anglistik sowie Kunstgeschichte an der Universität Wien, 1931 Promotion an der Universität Wien mit der Dissertation mit dem Titel „Die Küche und die volkstümlichen Speisen in Vorarlberg. Sprachgeschichtliche und volkstümliche Untersuchungen“ erwarb sie als eine der ersten Vorarlbergerinnen den Doktortitel. 1939 absolvierte sie die Bibliotheksprüfung für den gehobenen Dienst.
Laufbahn: Klaudia Helbok war in den 1930er Jahren stundenweise in der Bibliothek des Französischen Kulturinstitutes in Wien tätig, war aber 1932 in Bregenz, da ihr Vater schwer krank war. Nach seinem Tod konnte sie weder in Bregenz noch in Wien eine Stellung finden und so verdiente sie ihr Geld durch Stundengeben und wissenschaftliche Hilfsarbeiten. Klaudia Helbok war von April 1934 bis September 1935 im Rahmen des wissenschaftlichen Arbeitsdienstes in der Nationalbibliothek tätig. Danach war sie als Aspirant für den fachtechnisch-statistischen Dienst im Bundesamt für Statistik. Ab Oktober 1936 bis zum 20.12.1938 wurde sie als Assistent und Beamtenanwärter in der Bibliothek beschäftigt, kündigte die Stelle aber aus politischen Gründen.
Durch Kontakte, die sie durch die Arbeit über die Firma Gebrüder Weiß hatte, fand sie mit Anfang 1939 eine Anstellung bei der Reichspostdirektion Wien. Zunächst in der Vergütungsgruppe 9 der TOA, dann im Sachgebiet I L und nach seiner Gründung 1943 wurde sie dem Institut für Geschichte des Postwesens zugeteilt und im Postmuseum verwendet und kam in die Gruppe V. Im Laufe des Krieges war sie daneben auch bei der Feldpost Wien tätig. Im April 1945 verließ sie mit Erlaubnis des Vorstandes dieses Instituts, Prof. Wilhelm Bauer, Wien, um zu ihrer alleinstehenden alten Mutter nach Bregenz zu gelangen.
Im Dezember 1945 begann sie in der Pressestelle im Amt der Vorarlberger Landesregierung in Bregenz zu arbeiten und blieb bis Juni 1946 dort tätig. Da sie niemals der NSDAP angehört hat und ihr Austritt aus dem Bundesdienst mit politischen Gründen zusammenhing, konnte sie wieder in den Bundesdienst übernommen werden. Sie erhielt schon bald nach der Wiederaufnahme des Postdienstes mit dem restlichen Österreich die Verständigung darüber. Wegen gelegentlicher Beschäftigung im Rundfunk und dann in der Presseabteilung konnte sie erst nach erfolgter Kündigung in Bregenz wieder nach Wien zurückkehren. Sie trat auf Weisung des Generalinspizienten für Bibliothekswesen Josef Bick mit Oktober 1946 ihren Dienst im Institut für Österreichische Geschichtsforschung an. Klaudia Helbok leitete und betreute die ca. 30.000 Bände zählende Institutsbibliothek sowie die übrigen wissenschaftlichen Sammlungen des Instituts, führte den Schriftentausch durch und beteiligte sich an den Redaktionsgeschäften der „Mitteilungen“. Mit Juli 1949 wurde sie zur Bibliotheksoberrevidentin ernannt.
Aufgrund wiederholter Krankenstände wurde sie 1953 beurlaubt und mit Jänner 1954 an die ÖNB versetzt. Mit 1.6.1955 wurde sie Bibliotheksoberrevident, litt aber weiterhin unter einem schlechten Gesundheitszustand. Im Jahr 1958 wurde sie zum Bibliothekssekretär ernannt und gleichzeitig an die Parlamentsbibliothek versetzt, wo sie bis zur ihrer Pensionierung 1967 blieb. Mit 1.1.1963 wurde sie zum wirklichen Amtsrat ernannt. Ihre Aufgaben in der Bibliothek umfassten die Zeitschriftendokumentation und die Überführung des Bandkataloges in den Zettelkatalog. Gleichzeitig mit dem Ansuchen um Versetzung in den dauernden Ruhestand bat sie um lineare Überstellung in die Verwendungsgruppe A. Die Überstellung blieb ihr trotz hoher Intervention versagt. Sie hatte zwar ihr Studium 1931 mit der Promotion zum Dr. phil. abgeschlossen, aber die Fachprüfung für den höheren Bibliotheksdienst nicht abgelegt. Auch ein Ersuchen um Nachsicht war erfolglos. Mit 31.7.1967 wurde sie in den dauernden Ruhestand versetzt.
Klaudia Helbok befasste sich jahrzehntelang mit der Vorarlberger Malerin Angelika Kauffmann, hatte bereits Anfang der 1940er Jahre mehrere Artikel im „Vorarlberger Tagblatt“ publiziert und veröffentlichte 1968 anlässlich einer Retrospektive die umfangreiche Biographie „Miss Angel − Angelika Kauffmann“. Klaudia Helbok schrieb aber auch biographische und kunstgeschichtliche Beiträge für die Zeitschrift „Montfort“, die „Bündner Monatsblätter“ und die „Bodensee-Hefte“. Zeitlebens hat sie sich für eine Fernuniversität für Vorarlberg engagiert.
Auszeichnungen, Mitgliedschaften: 1976 wurde sie zum Ehrenmitglied des Vereins der Vorarlberger in Wien ernannt.

Literatur / Quellen

Quellen
ÖStA, AdR, PA Claudia Helbok; ÖStA, AVA, E/1700, Kt. 57, Interview Klaudia Helbok mit Isabella Ackerl am 14.2.1973 in Wien, Nachlass im Felder-Archiv Bregenz.

Literatur
VÖB Statistik 1957, Biblos 4 (1955), S. 121, Biblos 3 (1954), S. 31, Biblos 7 (1958), S. 48, Biblos 12 (1963), S. 34, Biblos 16 (1967), S. 263.
Trenkler, Ernst: Geschichte der Österreichischen Nationalbibliothek. Zweiter Teil: Die Nationalbibliothek (1923–1967). Hg. v. Josef Stummvoll. Verlag Brüder Hollinek, Wien 1973.
Leipold-Schneider, Gerda: Claudia Helbok − ein Nachruf, 1994. In: Montfort. Dornbirn 46 (1994), 4, S. 367–369.

Werke (Auswahl)

Die Küche und die volkstümlichen Speisen in Vorarlberg: sprachgeschichtliche und volkskundliche Untersuchung. Teilw. in Handschrift. Univ. Diss., Wien 1931.
500 Jahre Frachtführer: vom Mailänder Boten aus Fußach am Bodensee zur Spedition Gebrüder Weiß.[Bregenz]: Gebr. Weiß 1936. 35 S. Und Sonderbeilage des „Vorarlberger Tagblattes“ vom 6. März 1937.
Die Malerfamilie Rhomberg: eine Biographie und Sammlung von Bildern der beiden Maler Joseph Anton Rhomberg und Hanno Rhomberg in München. Rhomberg, Dornbirn 1952.
Studio Vorarlberg brachte im Jahr 1962 Kurzsendungen mit Lebensbildern bedeutender Vorarlberger, verfasst von Claudia Helbok.
Vorarlberger an der Alma Mater Rudolfina. In: Montfort 2,1965, S. 81–112.
Shakespeare-Themen im Oeuvre von A. Kaufmann. [Bregenz]: Vorarlberger Landesmuseumsverein 1966. In: Jahrbuch des Vorarlberger Landesmuseumsvereins 1966, S. 22–37.
Bedeutende Vorarlberger: dreißig Lebensbilder aus einer Sendereihe. Dornbirn: Studio Vorarlberg 1967 (= Dornbirner Studiohefte 2).
Miss Angel: Angelika Kauffmann − eine Biographie. Rosenbaum, Wien 1968.
Der Weg durch die Jahrhunderte. In: Das Weissbuch. Die internationale Spedition Gebrüder Weiss. Bregenz 1975, S. 85–86.

Biografieautor:

Name XX

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Name