Wagner Hedda; Schriftstellerin, Komponistin und Journalistin

Geb. Niedernhart bei Linz, OÖ, 21.1.1876
Gest. Linz, OÖ, 24.3.1950

Herkunft, Verwandtschaften: H. W. wird am 21. Jänner 1876 als Tochter von Dr. Karl Wagner, Arzt an der „Landesirrenanstalt“, und der Verwalterstochter Anna Bergthaler in Niedernhart bei Linz geboren. Ausbildungen: Nach dem Besuch der Volks- und Bürgerschule in Linz erhält sie Privatunterricht in Philosophie, klassischer Philologie und Geschichte. Sie studiert in Wien Klavier und Kompositionslehre und legt 1896 die Staatsprüfung für Musik ab.

Laufbahn: 1902 komponiert und dichtet sie ihr erstes Lied mit dem Titel „Blauschimmernde Tage“; ab 1910 verfasst sie weitere Gedichte, die sie selbst vertont. H. W. tritt 1911 (lt. Hausjell 1917) der Sozialdemokratischen Partei Österreichs bei und gehört ihr zunächst bis zum Verbot der Partei im Februar 1934 an. Ab 1945 ist sie neuerlich aktives Mitglied der SPÖ. Sie ist sowohl als Schriftführerin im Frauen-Landeskomitee als auch im Landesbildungsausschuss für Oberösterreich tätig.

Von 1917 bis 1929 arbeitet sie als freie Mitarbeiterin für das Linzer „Tagblatt“, dem Presseorgan der Linzer Sozialdemokraten. Von Juni 1929 bis Juni 1934 ist sie dort als Redakteurin angestellt. In ihren Aufgabenbereich fallen Feuilletons, Romane, Lyrik und Kulturkritik. Ihre Beiträge sind großteils heimatkundlichen Inhalts. Ab 1923 redigiert sie die wöchentlich erscheinende Frauenbeilage des Tagblattes „Das neue Werden“.

Von Juli 1934 bis März 1938 arbeitet sie wieder als freie Mitarbeiterin beim Linzer „Tagblatt“. Weiters ist sie 1924/25 für das sozialdemokratische Wochenblatt „Volkswille“, das in Steyr erscheint, tätig und schreibt bis 1938 auch für das Wochenblatt „Wahrheit“, das in Linz vertrieben wird. H. W. verfasst für das Linzer „Tagblatt“ von 1929–1936 zahlreiche Fortsetzungsromane, die allerdings nicht als Buch erscheinen. Bis 1938 ist sie freie Mitarbeiterin der Monatszeitschrift „Das neue Licht“, einem Fachblatt für Parapsychologie, das in Purkersdorf erscheint. Unter dem nationalsozialistischem Regime erhält sie Schreibverbot; trotzdem schreibt sie für „Das neue Werden“ einige Artikel.

Am 30. Juli 1938 wird sie als Mitglied vom Reichsverband der deutschen Presse abgelehnt. Das nachträgliche Gutachten der NSDAP-Gauleitung Oberdonau kommt zwar zu dem Ergebnis, dass es keinen Grund gibt, ihr die Eintragung in die Schriftleiterliste zu verweigern, die Gestapo Linz bezeichnet H. W. jedoch aufgrund ihrer „judenfreundlichen Einstellung“ als politisch nicht zuverlässig.

Ab 1945 arbeitet H. W. als freie Mitarbeiterin bei den „Oberösterreichischen Nachrichten“, für die sie wieder einige Fortsetzungsromane verfasst. Sie hat zu dieser Zeit bereits mit großen gesundheitlichen und finanziellen Problemen zu kämpfen. 1946 erscheint ihr Buch „Stadt in Flammen. Ein Alt-Linzer Roman“. H. W. stirbt am 24. März 1950 in Linz an einer Lungenentzündung. Zu ihrem Nachlass, der im Archiv der Stadt Linz aufbewahrt wird, gehören auch zahlreiche Kompositionen: Orchesterwerke, Kirchenmusik sowie die drei Opern „Melisande“ (1935), „Weihnachtsball“ (1940) und „Die Höhle der Mitra“ (1941). Die musikalischen Werke H. W.s bleiben, mit Ausnahme mancher Chorwerke wie zum Beispiel „Das Spiel vom letzten Krieg“ (1924), „Der Tag des Proletariats“ (1925) und „Gilgamesch“ (1926), unaufgeführt.

W.: „Stadt in Flammen. Ein Alt-Linzer Roman“ (1946), Fortsetzungsromane im Linzer „Tagblatt“: „Splitter und Balken“ (1929), „Das Kloster der frommen Minne“ (1930), „Die drei Gestalten des Eros“ (1932), „Der Arzt der Melisande“ (1933), „Herz in Flammen“ (1936), Fortsetzungsromane in den „Oberösterreichischen Nachrichten“: „Die höllische Sybille“ (1946), „Die Geschwister von Moosham“ (1947)

L.: Hausjell 1989, Roiter 2004

Karin Nusko