Springer Gertrude, Trude, geb. Hausner; Näherin, Angestellte und Widerstandskämpferin

Geb. Wien, 28.12.1922

Eltern: Rosa Hausner, geborene Beneš, Franz Hausner. Zwei Schwestern, ein Bruder.

Ehemann: Paul Springer, kaufmännischer Angestellter, geb.: 2.10.1917, gest.: Oktober 1949. Tochter: Käthe, geb. 1948.

H. stammt aus einer sozialdemokratisch gesinnten Ottakringer Arbeiterfamilie. Bereits als Kind gehörte sie Organisationen der Sozialdemokratischen Partei, wie Turnverein, Singschule und später den Roten Falken an. Sie besuchte die Volks- und Hauptschule und absolvierte danach eine Lehre als Miedernäherin. Nach der Illegalisierung der Arbeiterbewegung im Gefolge der Februarkämpfe 1934 fanden sich die Jugendlichen in einer Wandergruppe des Volksbildungsvereins zusammen. Gemeinsame Ausflüge boten auch nach dem „Anschluss“ Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland eine Möglichkeit, unüberwacht zusammenzutreffen und sich politisch auszutauschen. 1939 fand G. H. Anschluss an den Kommunistischen Jugendverband. Dort lernte sie die Funktionärin Elfriede Hartmann kennen, die im Rahmen der Gruppe „Soldatenrat“ den Widerstand innerhalb der Deutschen Wehrmacht zu entfalten versuchte. Von Hartmann mit der Organisation des zentralen Literaturvertriebs des Jugendverbands beauftragt, war G. H. an der Herstellung und Verteilung von Schriften wie „Die Rote Jugend“ und „Soldatenrat“ beteiligt. In diesen Flugschriften, die zum Teil über Feldpost versandt wurden, versuchte man die nationalsozialistische Kriegspropaganda zu widerlegen und rief zur Beendigung des Krieges auf. G. H. sorgte auch für ein Versteck des Vervielfältigungsapparats, als sich die Gruppe bereits im Visier der Gestapo wähnte. Im Oktober 1941 wurde sie zum Reichsarbeitsdienst einberufen und war ab April 1942 als Straßenbahnschaffnerin in Dresden eingesetzt. Dort wurde sie nach der Zerschlagung der Widerstandsgruppe durch die Wiener Gestapo am 15. Mai 1942 verhaftet und wegen Vorbereitung zum Hochverrat und Feindbegünstigung angeklagt. Die Untersuchungshaft verbrachte G. H. in der Haftanstalt Krems. Am 24. September 1943 stand G. H. gemeinsam mit Anna Senhofer, Edith Gadawits und Felix Imre vor dem 5. Senat des Volksgerichtshofes. Die Verteidigung konnte das Gericht glauben machen, dass die Angeklagte die volle Tragweite ihrer Handlungen nicht vollständig erfasst habe, auch wurde ihr jugendliches Alter zum Tatzeitpunkt berücksichtigt. G. H. kam daher, so wie Senhofer, mit einer zwölfjährigen Zuchthausstrafe davon. Gegen Felix Imre und die neunzehnjährige Edith Gadawits verhängte das Gericht hingegen das Todesurteil, welches bei Gadawits später in eine Zuchthausstrafe umgewandelt wurde. Ihre Haftstrafe verbüßte G. H. im Zuchthaus Aichach in Bayern. Eine Freundschaft verband sie mit der Architektin und Widerstandskämpferin Margarethe Schütte-Lihotzky, mit der sie eine Zelle in der Krankenabteilung teilte. Dort erlebt sie am 29. April 1945 die Befreiung des Zuchthauses durch amerikanische Truppen und kann einige Wochen später nach Wien zurückkehren.

1946 heiratete G. H. den Kommunisten und Holocaustüberlebenden Paul Springer, der am 1. April 1938 mit dem so genannten „Prominententransport“ in das Konzentrationslager Dachau deportiert und von dort nach Buchenwald überstellt worden war. 1948 kam Tochter Käthe zur Welt. Paul Springer, hauptberuflicher Parteifunktionär, verunglückte 1949 während einer Wahlkampfreise im Burgenland tödlich. G. Sp. war in der Folge als Funktionärin der KPÖ und ihrer Jugendorganisation „Freie Österreichische Jugend“ in Ottakring tätig, später als Angestellte bei der Bezirksorganisation Währing und des „Bundes Demokratischer Frauen“. Danach arbeitete sie in der Redaktion der Zeitschrift „Stimme der Frau“ sowie als Angestellte beim Zentralkomitee der KPÖ. Nach ihrer Pensionierung (um 1980) war sie in der Bezirksorganisation der Partei im 23. Bezirk aktiv und trat als Zeitzeugin und ehemalige Widerstandkämpferin bei zahlreichen Veranstaltungen und Diskussionen auf. Sie war unter anderem Mitglied des Österreichischen Gewerkschaftsbundes, der Alfred Klahr Gesellschaft, des Bundes Demokratischer Frauen und der Gruppe „Frauenhetz“. Für ihre Tätigkeit im Widerstand wurde ihr 1978 das Ehrenzeichen für Verdienste um die Befreiung Österreichs verliehen. Sie ist außerdem Trägerin verschiedener Auszeichnungen für ihre jahrzehntelange Zugehörigkeit zur KPÖ und zum ÖGB. G. Sp. ist bis heute Mitglied der Kommunistischen Partei und lebt in Wien.

Qu.: DÖW 5.733c, DÖW 19.793/154, DÖW 21.487/2 (Erinnerungsbericht von Gertrude Springer über ihren Transport von Krems nach Berlin), Mitteilungen von Käthe Springer-Dissmann, Wien, 2009.

W.: „Was geschah vor mehr als 50 Jahren? In: Mitteilungen der Alfred Klahr Gesellschaft, Nr. 4, 1995“, „Mittag“, Gedicht aus dem Gefängnis (veröffentlicht in der Zeitschrift „Tagebuch“) sowie weitere unveröffentlichte Gedichte. Gesammelte Briefe aus dem Gefängnis 1941-1945 (Typoskript, unveröffentlicht)

L.: Schütte-Lihotzky 1994, Tidl 1976

 

Christine Kanzler