Specht, Edith Wilhelmine Mette Maria

* 20.8.1943, Kilb, NÖ
Historikerin, Numismatikerin und Frauenforscherin

Geboren am 20. August 1943 in Kilb, Niederösterreich, wohin die vorher in Wien wohnende Familie kriegsbedingt gezogen war. Da die Wohnung in Wien durch einen Bombentreffer vollständig zerstört worden war, übersiedelte die Familie nach dem Krieg nach Klosterneuburg, wo der ursprünglich aus Simmering stammende Vater am Gymnasium unterrichtete. Seine Fächer waren Deutsch und Englisch, doch hatte er zusätzlich starke historische und landeskundliche Interessen. Die Mutter, aus einer alten Ministerialenfamilie, war Absolventin einer Lehranstalt für Frauenberufe und „Hausfrau“. E. Sp. war die jüngste von vier Schwestern, eine fünfte, noch jüngere ist bald nach der Geburt gestorben. E.s Vorname war vom Vater bewusst gewählt worden, weil er zwar „germanisch“ wirkte, aber der überlieferte Name früher englischer (!) Königinnen war.
Von 1949 bis 1953 besuchte E. Sp. die Volksschule in Klosterneuburg, die damals im Stift untergebracht war, da das eigentliche Schulgebäude von der russischen Besatzungsmacht beschlagnahmt war. Nach bestandener Aufnahmsprüfung besuchte sie ab dem Schuljahr 1953/54 das Gymnasium Klosterneuburg, mit Latein ab der siebenten und Griechisch ab der neunten Schulstufe. Die Reifeprüfung legte sie am 16. Juni 1961 ab.
Studium an der Universität, zuerst der Lehramtsfächer Englisch (Anglistik und Amerikanistik) und Geschichte. Ihr Vater, der (unter anderem) neuzeitliche Münzen sammelte, brachte sie zur Numismatik, wo sie schließlich bei Robert Göbl über die „Münzprägung von Tenedos“ dissertierte. Die Rigorosen legte sie aus Alter Geschichte bei Fritz Schachermeyr und Artur Betz ab, Promotion zur Dr.phil. am 6. Mai 1969
Es folgten Stipendienaufenthalte in Athen und Rom, und Beschäftigungen als wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Grabungen des Österreichischen Archäologischen Instituts in Ephesos (Veronika Leon und Robert Fleischer), des Deutschen Archäologischen Instituts am Norşun Tepe (Ostanatolien), in Boğazköy (Harald Hauptmann) und in Limyra (Jürgen Borchhardt) sowie in Pleuron (Griechenland, unter Gaogos Savas und Fritz Brein).
1972-1974 als Expertin vor allem für antike Münzen in der Münzhandlung Hans-Dieter Rauch, 1010 Wien, und seit 1. Februar 1974 Hochschulassistentin am Institut für Alte Geschichte, Archäologie und Epigraphik der Universität Wien. Ab dem Inkrafttreten des Universitätsorganisationsgesetzes 1975 intensive Mitarbeit – teilweise in leitender Funktion – in universitären Gremien (von der Institutskonferenz und der Studienkommission bis zum Senat), im Kontaktkomitee des Mittelbaus der Universität, aber auch in der Personalvertretung (Dienststellenausschuss). Habilitation 1985 (Habilitationsarbeit: „Frauensozialisation und Mädchenbildung in Griechenland“) für Alte Geschichte und Altertumskunde mit besonderer Berücksichtigung der Frauenforschung.
1994 Verleihung des Berufstitels „außerordentliche Universitätsprofessorin“, wobei das Fakultätskollegium den Titel „ordentliche Universitätsprofessorin“ beantragt hatte, was aber vom Ministerium – mit Hinweis auf die sonst übliche Vorgangsweise – in dieser Form abgeändert wurde.
Ab 1978 regelmäßig Lehrveranstaltungen für Alte Geschichte, mit den geforderten Pflichtlehrveranstaltungen ebenso wie mit engagierten Vorlesungen zu ihrem Spezialgebiet, der Frauengeschichte in Griechenland. Daneben ständige Teilnahmen an fachspezifischen Seminaren und Symposien im In- und Ausland, Vorträge an Universitäten, aber auch in außeruniversitären bzw. volksbildnerischen Institutionen. 1997 Projektleiterin im Kulturabkommen zwischen Wien, Rom und Oslo zum Thema „Gender and Religion in Europe“. Zuletzt wieder intensivere Forschungstätigkeit im Bereich der antiken Numismatik, aber ebenso zur Geschichte ihrer unmittelbaren Heimatgemeinde Klosterneuburg.
Seit 1995 ist sie mit dem Chemiker Dr. Harald Oehlschlaeger verheiratet.

Werke

Hg.) Das ewige Klischee. Böhlau, Wien 1981.
Zum trichterförmigen Rhyton. In: Archäologischer Anzeiger 1981. S. 15-19.
Zur Datierung des etruskischen Löwenkopfgoldes. In: Akten des 9. Internationalen Numismatikkongresses in Bern. Louvain-La-Neuve 1982, S. 199-201.
Zum Kult von Mater Matuta und Portunus in Pannonien. In: Römisches Österreich 11/12, 1983/84, S. 279-287.
Blütenlese zu Aspasia. In: Dokumentation des 5. Historikerinnentreffens. Wien 1984, S. 358-364.
Zur Wirtschafts- und Geldgeschichte der Etrusker. In: Linzer Archäologische Forschungen 13 (2). Linz 1985, S. 64-68.
Zur Interpretation eines lykischen Grabmals. In: Archäologie und Epigraphik. Römische Geschichte, Altertumskunde und Epigraphik (= Festschrift A. Betz). Wien 1985, S. 591-604.
Das Mädchen von Mantineia. Zur Mädcheninitiation im alten Griechenland. In: Dahlhoff/Frey/Schöll (ed.). Frauenmacht in der Geschichte. Düsseldorf 1986, S. 34-45.
Parthenogenese und Kopfgeburten. Zur Aneignung weiblicher Potenz im klassischen Athen. In: Feministische Studien 5, 1986, S. 76-85.
Leopoldspfennige. Medals as Vehicles of Religious Zeal. In: Proceedings of the 10th International Congress of Numismatics, London 1968, S. 637-639.
(Hg.) Materialien zur Frauenforschung. Frauen auf Münzen. Wien, 1988.
Die Große Göttin. In: Eybl, M. (Hg.): Gold und Schweine. Aufsätze zum Phänomen Kult. Wien, 1989, S. 53-60.
Kulttradition einer weiblichen Gottheit: Beispiel Ephesos. In: Maria – Abbild oder Vorbild ?Zur Sozialgeschichte mittelalterlicher Marienverehrung. Tübingen, 1990.
„Schön zu sein und gut zu sein“. Mädchenbildung und Frauensozialisation im antiken Griechenland. Wiener Frauenverlag, Wien, 1989 (= Reihe Frauenforschung Band 9).
Hausfrauen, Hebammen und Hetären. Frauenkultur in der patriarchalen Antike (Griechenland, Rom) 1000 v.Chr.-50 n. Chr. In: Die Chronik der Frauen. Dortmund, 1992.
Female Education in Archaic and Classical Greece. In: Aspects of Antiquity in the History of Education. Hildesheim 1992, S. 113-120.
Nachrichten aus der Zeit. Ein Streifzug durch die Frauengeschichte des Altertums (Hg.). Wiener Frauenverlag, Wien, 1992. (= Reihe Frauenforschung Band 18).
Frauenreichtum. Die Frau als Wirtschaftsfaktor im Altertum (Hg.) Wiener Frauenverlag, Wien, 1994 (= Reihe Frauenforschung Band 27).
Prometheus und Zeus. Zum Ursprung des griechischen Tieropferrituals. In: Tyche 10, 1995, S. 211-217.
(Hg.) Schönheit: Form und Norm; gender studies zum Schönheitsbegriff im Altertum. Dokumentation des Internationalen Symposions. Wien, 1996.
Münzen als Quelle in der barocken Gelehrsamkeit: In: Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg 16, 1997 (Festschrift für Floridus Röhrig), S. 319-330.
(Hg.) Alltägliches Altertum. Peter Lang Verlag, Frankfurt/M., Berlin, Bern, New York, Wien 1998.
Die Heilige Thekla. In: Scherrer et al. (Hg.): Steine und Wege. Festschrift für Dieter Knibbe (= Sonderschrift des ÖAI Band 32). Wien, 1999, S. 335-342.
lanam fecit. War die Wollarbeit von Frauen otium oder negotium? In: Sigot, E. (Hg.). OTIVM-NEGOTIVM. Beiträge des interdisziplinären Symposiums der Sodalitas zum Thema Zeit, Carnuntum 1998. Wien, 2000, S. 162-168.
Kranz, Krone oder Korb für den Sieger. In: Dollhofer, L. et. al. (Hg.): Altmodische Archäologie. Festschrift für Friedrich Brein. Wien, 2000.
Tennes und Tenedos. In: Hyperboreus 7 (1) In memoriam A. I. Zaicev. Petropoli, 2001, S. 25-36.
Gender and Religion. Genre et Religion. European Studies (Hg). Roma, 2001.
Glimpses of Social History: Austrians in Egypt. In: Holaubek, J. / Navratilova, H. (Hg.): Egypt and Austria I. Prague 2005, S.137-148.
Claustroneoburgensia. In: Eine ganz gewöhnliche Inschrift. Festschrift für Ekkehard Weber. (=Archaeologisch-Epigraphische Studien 5), Wien, 2005, S. 409-415.
(Hg.) Pionierinnen der Wissenschaft und Klosterneuburg. Klosterneuburg, 2005.
Pyramids & Crocodiles. Medals from the Conquest of Egypt by Napoleon to World War I.. In: Holaubek, J. / Navratilova, H. (Hg.): Egypt and Austria II. Prague, 2006, S. 129-136.
Wie das Feuer auf die Erde kam….in der griechischen Mythologie. In: Katalog der NÖ Landesausstellung „Feuer und Erde“, Schallaburg Kulturbetriebs Ges.m.b.H., 2007. S. 38-43.
Eulen nach Athen tragen…In: Athener Klassik. Konstrukt und Realität. Historische Sozialkunde 1/2007, S. 28-30.
Stadion – Ernste Spiele und heilige Spektakel. In: Athener Klassik. Konstrukt und Realität. Historische Sozialkunde 1/2007, S. 35-37.
Girls‘ Education in Ancient Greece. In: Dommasnes, L. H. / Wrigglesworth, M. (Hg.): Children and Identity and the Past. Cambridge Scholar Publishing 2008, S. 124-136.
Egyptian Students at the Theresianum in Vienna (1882-19124). In: Holaubek, J. / Navratilova, H. / Oerter, W. B. (Hg.): Egypt and Austria IV. Prague 2008, S. 297-302.
Der Beginn der Agrarwirtschaft. In: Cerman, M. / Steffelbauer, I. / Tost, S. (Hg.): Agrarrevolutionen. Verhältnisse in der Landwirtschaft vom Neolithikum zur Globalisierung. Studien Verlag, Innsbruck, Wien, Bozen, 2008 (=Querschnitte Bd. 24), S. 41-52.
The Maria-Theresien Taler vulgo “Levantiner” In: Holaubek, J. / Antonicek, K. (Hg.): Egypt and Austria IX. Wien, 2010, S. 201-211.
1928. Das katholische Österreich reist nach Ägypten. In: Holaubek,J. / Navratilova, H. / Antonicek, K. (Hg.) Egypt and Austria XI. Wien, 2012.
„Ägyptomanie“ im Stift Klosterneuburg. In: Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg N.F. 20, 2008 S. 221-226.
Geschichte der Numismatischen Sammlung des Stiftes Klosterneuburg. In: Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg N.F. 21, 2011, S. 43-50.
Frauen Reisen ins Altertum. Reiseberichte aus dem 18. und 19. Jahrhundert. In: Jäger-Klein, C. / Kolbitsch, A. (Hg.): Fabrica et ratiocinatio. Festschrift für Friedmund Hueber, Neuer Wissenschaftlicher Verlag, Wien, Graz 2011, S. 313-322.
Korruption im Altertum. In: Bruckmüller, E. (Hg.): Korruption in Österreich, Braumüller, Wien, 2011, S. 26-47.
Das Martinschlössel in Klosterneuburg. Teil. 1. Die Bewohner. Klosterneuburg, 2013.
Fundmünzen aus einem Klosterneuburger Garten. In: Saivert, W. u.a. (Hg.): TOYTO APECE TH XWPA (Festschrift für Wolfgang Hahn = VIN 16), Wien 2015, S. 377-382.
Dr. Wolfgang Pauker, Chorherr, Freund und Förderer der Künste. In: Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg N.F. 22, 2915, S. 7-85.

Literatur / Quellen

BiografieautorIn:

Ekkehard Weber

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