Rudel-Zeynek Olga, geb. von Zeynek; Politikerin und Schriftstellerin

Geb. Olmütz, Mähren (Olomuc, Tschechien), 28.1.1871

Gest. Graz, Stmk., 25.8.1948

Herkunft, Verwandtschaften: Stammt aus einer katholischen, aristokratischen Familie; Vater: Dr. Gustav Ritter von Zeynek, Ministerialbeamter im k. u. k. Ministerium für Kultus und Unterricht; Großvater F. v. Mocnik (1814-1892), Mathematiker und Schulmann.

LebenspartnerInnen, Kinder: 1897 Heirat mit Rudolf Josef Rudel, ab 1.11.1911 Oberst und Regimentskommandant des k. u. k. Infanterieregiments Nr.15 in Lemberg, 1915 Generalmajor und Kommandant der 51. Landwehr-Infanteriebrigade, 1918 Feldmarschall-Leutnant.

Ausbildungen: Erhielt die „in guten Familien übliche Erziehung“ (Hauch), Bürgerschule, Fortbildungsschule.

Laufbahn: O. R.-Z. engagierte sich im 1. Weltkrieg in Graz bei der Aktion zur Ausgabe billiger Lebensmittel und in der Kriegsküche, hielt Vorträge zu sozialpolitischen Themen und erwarb sich als Journalistin einen Namen. Sie kam durch ihr Engagement bei katholischen Frauenorganisationen, zuerst in der Steiermark, dann in zentralen Gremien, in Fragen des Frauenwahlrechts zur Politik. Sie trat 1919 der christlichsozialen Partei bei, war 1919/20 die erste weibliche Abgeordnete der Christlichsozialen Partei im Steiermärkischen Landtag, als Vertreterin der Katholischen Frauenorganisation der Steiermark Mitglied der 14-köpfigen Gesamtparteileitung, seit 1926 Mitglied der Bundesparteileitung der CSP; Gründerin und Präsidentin der 1923 geschaffenen Aktion „Fest der Treue“, die sich der Unterstützung alter Hausgehilfinnen widmete, seit 1923 Vizepräsidentin der Zentralstelle für Kinderschutz und Jugendfürsorge Wien; am 3.12.1920 als NR-Abgeordnete angelobt, bei der NR-Wahl 1923 auf einem eigenen Mandat gewählt,10.11.1920-18.5.1927 Abgeordnete zum Nationalrat (I.-II. GP) CSP, 21.5.1927-2.5.1934 Mitglied des Bundesrates CSP, 1.12.1927-31.5.1928 Vorsitzende des Bundesrates, 1928 als erste Frau im Präsidium des Bundesrates, 1.12.1927 bis 31.5.1928 und 1.6. bis 1.12.1932 Bundesratspräsidentin; am Bundesparteitag von 25. bis 26.4.1931 als einzige Frau neben der Obmannstellvertreterin Fanny Starhemberg in die Parteileitung gewählt.

Seit 1931 Vorstandsmitglied des International Migration Service; O. R.-Z. war langjährige Mitarbeiterin von Frauenzeitungen, auch des BÖFV, Zeitungen der katholischen Presse wie dem „Vorarlberger Volksboten“, der „Welser Zeitung“, später „Linzer Wochenblatt“ oder der „Mühlviertler Zeitung“, der „Zeitschrift für Kinderschutz“, beim „Grazer Volksblatt“ (Frauenzeitung), beim „Steirischen Bauernbündler“ und beim „Steirischen Bauernkalender“, Vorstandsmitglied des katholischen Frauenvereins der werktätigen Liebe und Mitglied des Beirats des Vereins der Witwen und Waisen nach öffentlichen Beamten in Graz. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde für O. R.-Z. ein Gauakt angelegt, in dem vermerkt wurde, dass sie Ende Mai 1940 eine Woche in Wien war. Nach 1945 veröffentlichte sie einige Artikel, in denen sie sich mit der Situation der Frauen in der aufzubauenden ÖVP und dem Umgang mit NSDAP-Mitgliedern befasste. Im „Steirerblatt“ erschienen drei Artikel, in denen sie die Frauen aufrief, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen und sich mit dem Verhältnis Österreichs zum Nationalsozialismus auseinandersetzte.

Ausz., Mitglsch.: Ehrenmitglied des Vereins Frauenheim, seit 1929 österreichische Ehrendelegierte der internationalen Kinderhilfe in Genf, 1931 Goldenes Ehrenzeichen der Republik Österreich; nach ihrem Tod wurde ihr Verdienst in der von der ÖVP herausgegebenen „Österreichischen Monatsheften“ gewürdigt; Mitglied der katholisch-intellektuellen Vereinigung Leo-Gesellschaft.

Qu.: IfZ Wien, Nachlass Motzko; Stadtarchiv Graz; AVav, Stadtarchiv Graz, AdR, BKA; WStLa,Tagblattarchiv (Personenmappe).

W.: „Die Gefährdung der Jugend durch Schmutz- und Schundschriften. In: Zeitschrift für Kinderschutz“, „ Hildegard Burjan als zweiter stellvertretender Parteiobmann; die Christlichsozialen der Steiermark konnten neben Familien- und Berufsfürsorge 20“ (1928), „Wien und Oberösterreich die meisten weiblichen Abgeordneten auf Landes- und Parteitagsebene zu sich zählen. Das Recht auf Heim und Heimat. In: Steirerblatt“ (2.11.1945), „ Frauensprüche der Alliierten. In: Steirerblatt“ (16.11.1945), „Allerlei Österreicher. Skizze aus der Wahlzeit. In: Steirerblatt“ (25.11.1945). Zahlreiche kleinere Abhandlungen über Frauenprobleme, Jugendschutz und allgemeine soziale Fragen u. a. in Grazer Volksblatt, Soziale Revue, Blätter für Lebenswirtschaft und Lebensunterricht

L.: BLÖF, Braun/Fürth/Hönig 1930, Deutsch 1967, Hauch 1995, Hausjell 1989, Kronthaler 1995, Motzko 1948a, ÖBL, Parlamentarierinnen, Paunovic 1949, Urban 1928a, Weinzierl 1975, www.onb.ac.at/ariadne/