Hübsch, Margarethe

* 19.6.1903, † 30.8.1983, Wien
Neurologin und Psychiaterin

M. H. war Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie. Sie war von 1940 bis 1945 Mitglied der NSDAP und der NS-Frauenschaft. Sie leitete bis zum 31. Dezember 1940 als kommissarische Primarärztin die Wiener Nervenheilanstalt „Maria Theresienschlössel“. Ab 1941 ist sie Oberärztin und stellvertretende Primaria in der Wiener städtischen Nervenklinik für Kinder „Am Spiegelgrund“ und Beteiligte an der Kinder-Euthanasie. Während des Zweiten Weltkrieges wurden in der Kinderfachabteilung der Anstalt im Rahmen der Kinder-Euthanasie mindestens 789 behinderte und/oder verhaltensauffällige Kinder durch Verabreichung von Schlafmitteln, durch Mangelernährung oder Unterkühlung ermordet. In der Kinderfachabteilung fanden auch Tbc-Versuchsreihen mit Impfstoffen in Zusammenarbeit mit der Wiener Universitätsklinik statt. Zur Diagnose tuberkulöser Sklerose wurden mittels Enzephalographien an Kindern medizinisch nicht notwendige Eingriffe vorgenommen.
Am 5. November 1945 erging vom Landesgericht für Strafsachen Wien der Antrag, M. H. zu verhaften und gegen sie eine Voruntersuchung wegen des Verdachtes auf Mord einzuleiten. M. H. behauptete bei den Einvernahmen, mit der Tötung von Kindern „niemals das mindeste zu tun gehabt zu haben“. Vom 15. bis 18. Juli 1946 wurde sie gemeinsam mit dem ärztlichen Direktor der Klinik „Am Spiegelgrund“ Ernst Illing und der ebenfalls dort als Ärztin tätigen Marianne Türk vor Gericht gestellt. Da es keinen Beweis für ihre aktive Mitwirkung an den Morden der Kinder „Am Spiegelgrund“ gab, wurde sie freigesprochen. Ernst Illing wurde zum Tode verurteilt und im November 1946 erhängt. Marianne Türk wurde zu zehn Jahren Haft verurteilt. 1948 wird sie aus gesundheitlichen Gründen entlassen. M. H. blieb zwar vom Dienst in der Gemeinde Wien suspendiert, konnte aber in ihrer eigenen Praxis als Ärztin weiterarbeiten. Es wurde ihr später auch der Titel „Medizinalrat“ verliehen.

Werke

Literatur / Quellen

Fürstler, G. / Malina, P.: „Ich tat nur meinen Dienst.“ Zur Geschichte der Krankenpflege in Österreich zur Zeit des Nationalsozialismus. Wien, 2004.
Neugebauer, W. / Schwarz, P.: Der Wille zum aufrechten Gang. Offenlegung der Rolle des BSA bei der gesellschaftlichen Reintegration ehemaliger Nationalsozialisten. Hg. v. Bund sozialdemokratischer AkademikerInnen, Intellektueller und KünstlerInnen (BSA). Wien, 2005.
WStLa.

BiografieautorIn:

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