Groag Jacqueline (Künstlername), geb. Pick Hilde, verh. Blumberger, verh. Groag; Kunsthandwerkerin und Textildesignerin

Geb. Prag, Böhmen (Praha, Tschechien), 16.4.1903

Gest. London, Großbritannien, 13.1.1986

Herkunft, Verwandtschaften: J. G. wurde als Hilde Pick am 16. April 1903 in Prag geboren. Ihr erster Mann war Karl Ludwig Blumberger, der jedoch bereits anfangs der 20er Jahre verstarb. Bis zu ihrer Emigration führte sie daher den Namen Hilde Blumberger. 1937 heiratete sie den Architekten und Möbeldesigner Jacques Groag. In der englischen Emigration legte sie sich, um ihren allzu deutschen Namen abzulegen und um ihre Partnerschaft mit ihrem Mann zu demonstrieren, den Künstlernamen „Jacqueline Groag“ zu.

Laufbahn: Über das Elternhaus J. G.s ist nichts Näheres bekannt, ebenso ist ungewiss, wann sie ihre erste Ehe eingegangen und wann genau sie nach Wien gekommen ist. Als sie sich 1926 an der Wiener Kunstgewerbeschule (heute Universität für angewandte Kunst) einschrieb, war sie bereits verwitwet und offenbar genötigt eine Berufsausbildung zu beginnen. 1929 beendete sie ihr Studium, das sie bei Rudolf Cižek und Josef Hoffmann absolviert hatte, und war forthin als freie Designerin tätig, wobei ihr Schwerpunkt bei Stoff- und Tapetenentwürfen lag. Anfangs arbeitete sie für die Wiener Werkstätte, späterhin sehr erfolgreich für große internationale Firmen, wie Rasch, Coco Chanel, Lanvin, Rodier und Schiaparelli. Die aparte Schönheit der zierlichen dunkelhaarigen Frau mit den grünen Augen machte sie auch zu einem gefragten Modell. Neben den Malern Josef Dobrowsky und Sergius Pauser, die sie mehrmals porträtierten, fertigte auch die Fotografin Trude Fleischmann eine Reihe von Fotoserien mit ihr an. 1937 ging sie eine Ehe mit dem Architekten Jacques Groag ein, mit dem sie bereits länger liiert war und auch zeitweilig zusammen arbeitete (u. a. Inneneinrichtung der Wiener Werkbundhäuser Jacques Groags, 1932). 1938 emigrierte sie mit ihrem Mann nach Prag, von dort floh sie 1940 nach der deutschen Besetzung nach London, wo sie bis Ende der siebziger Jahre tätig war und mit ihren von Josef Hoffmann und Paul Klee beeinflussten Entwürfen, die eine lyrische Heiterkeit ausstrahlten, das englische Design der fünfziger und sechziger Jahre nachhaltig prägte. Insbesondere trug auch ihre erfolgreiche Beteiligung an mehreren prominenten englischen Nachkriegsausstellungen zu ihrer Bekanntheit bei. Im Rahmen ihrer Arbeit für die größten Textil- und Modefirmen in England und Amerika (u. a. Cavendish, De la Rue, Liberty, Hallmark), war sie auch für die textile Ausstattung von British Rail, der Fluggesellschaft B.O.A.C. und British Ocean Steamships verantwortlich. Darüber hinaus fertigte sie auch Entwürfe für Porzellanservices, Spielkarten u. a. mehr an. In privaten Rahmen gab sie auch Unterricht. Schon sehr früh aus dem Judentum ausgetreten, konvertierte sie in England zum Katholizismus.

J. G. gilt als eine der bedeutendsten britischen Designerinnen der Nachkriegszeit, sie erhielt zahlreiche Preise und Auszeichnungen: u. a. 1933 Triennale Milano, 1937 Goldmedaille der Weltausstellung Paris, 1984 zum RDI ernannt (Royal Designer to Industry).

Weitere Kontakte: Neben den bereits erwähnten österreichischen Künstlern stand J. G. in England mit den Architekten Misha Black und Dennis Lennon, sowie den aus Wien stammenden Architekten Ernst Freud (Sohn von Sigmund Freud) und der Industriedesignerin Gabi Schreiber in Verbindung, mit denen sie großteils auch beruflich zusammenarbeitete.

L.: Österreichisches Künstlerlexikon III, 1977, Encyclopedia Brittanica 1971, Allgemeines Künstlerlexikon 11, 1995, Designers internat. index 1991; Ankwicz-Kleehoven 1930, Anscombe 1984, Holtom 1947, Prokop 2005, Rainer/Chamberlain/Stapleton 2009, Reilly 1942, Timmers 1979, Völker 1990, Influential Europeans in British Craft and Design (Kat.), 1992, S.16, Journal of the Royal Society, 1986, S. 286, Royal Designers for Industry (Kat.), 1986, S. 93

 

Ursula Prokop