Breuer Katharina (Käthy), geb. Mautner; Funktionärin und Organisatorin
Geb. Wien, 17.2.1883
Gest. Reading, Berkshire, Großbritannien, 23.9.1979

Herkunft, Verwandtschaften: Großeltern: Isaac Mautner (1824-1901), Textilindustrieller. Eltern: Isidor Mautner (1852-1930), Textilgroßindustrieller, und Jenny Mautner, geb. Neumann (1856-1938), Mäzenin. Schwiegervater: Dr. Josef Breuer (1842-1925), Mediziner. Brüder: Konrad Mautner (1880-1924) Volkskundler, Volksliedsammler, Grafiker und Großindustrieller; Stephan Mautner (1877-1944), Großindustrieller, Schriftsteller, Maler und Grafiker; Schwester: Marie Mautner, verehelichte Kalbeck (1886–1972), Malerin und Schriftstellerin; Schwäger: Dr. Robert Breuer (1869–1936), Chefarzt des Rothschild-Spitals, verehelicht mit Johanna Brüll, der Tochter des Komponisten Ignaz Brüll; Paul Johannes Kalbeck (1884-1949), Schauspieler und Regisseur.

LebenspartnerInnen, Kinder: Ehemann: Dr. Johannes (Hans) Breuer (1876-1926), Rechtsanwalt; Söhne: Dr. Georg Breuer, alias George Bryant (1907-1978), Rechtsanwalt, im Exil Agent des britischen Geheimdienstes Special Operations Executive; Dr. Franz Breuer (1909-2001), Chemiker; Gustl (Gustav) Breuer (1915-1985), Kulturmanager.
Ausbildungen: K. B. wuchs in einem Elternhaus mit jüdisch-großbürgerlichem Hintergrund auf, in dem großer Wert auf kulturelle Aktivitäten gelegt wurde und in dessen Salon zahlreiche Künstler verkehrten. Die Sommermonate wurden im Geymüllerschlössl in Pötzleinsdorf (Wien 18) verbracht. Gemeinsam mit ihrer Schwester erhielt sie Privatunterricht und legte die Matura am Musisch-Pädagogischen Gymnasium Wien 1, Hegelgasse ab. Daneben wurde sie wie ihre Schwester in Malen und Zeichnen (von Ferdinand Schmutzer) unterrichtet sowie in Klavier und Gesang – sie wirkte später auch in den Chören von Bruno Walter und Eusebius Mandyczewski mit.
Laufbahn: K. B. heiratete 1906 den Juristen Dr. Johannes (Hans) Breuer, der in Wien 9 eine Rechtsanwaltskanzlei hatte. Beide führten wie die Eltern ein sehr kulturell-kultiviertes Haus. Als ihr Mann jedoch 1926, erst fünfzigjährig, verstarb, sah K. B. sich gezwungen, ihren Lebensstil drastisch einzuschränken und sogar zahlende Gäste in ihr Haus zu nehmen, zumal auch das Firmenimperium ihres Vaters sukzessive zerbrach.
Nach dem „Anschluss“ konnte sie gemeinsam mit ihrem Sohn Franz mit Hilfe des Industriellen Sir Harold Hartley nach London fliehen. Hier engagierte sie sich aktiv in der Flüchtlingshilfe und wurde stellvertretende Vorsitzende des im November 1941 gegründeten Co-ordination Commitee of Austrian Women, das sich noch im selben Monat mit elf weiteren Organisationen zur Arbeitsgemeinschaft österreichischer Organisationen – Freie österreichische Bewegung in Großbritannien zusammenschloss, die wiederum zur Keimzelle des Free Austrian Movement wurde. Ziel des Co-ordination Commitee (auch: Unity Council of Austrian Women) war es, die Einbeziehung österreichischer Exilantinnen in den britischen „war effort“ zu forcieren. 1942 wurde K. B., die Zeit ihres Lebens Monarchistin war, Vorsitzende des hauptsächlich mit humanitären Zielsetzungen betrauten Hilfsvereins Austrian Women’s Voluntary Workers. Während des Kriegs war sie auch als „special messenger“ eingesetzt und arbeitete zeitweise im Portsmouth Club.
Nach Kriegsende blieb sie in Großbritannien und war in der Kantine eines Spitals in London beschäftigt. In den Sechziger Jahren übersiedelte sie nach Reading, wo die Familie ihres Sohnes Franz lebte. K. B. war bis ins hohe Alter sehr agil. So reiste sie wiederholt nach Österreich, besonders nach Gössl am Grundlsee (Salzkammergut), wo die Familie Mautner über einen Sommersitz verfügt hatte.

Qu.: The National Archives, Kew, London; Handschriftensammlung der Wienbibliothek, Nachlass Ernst Lothar; Franz Breuer, Jugend im Breuer Haus, Hinterbrühl 1990, Typoskript (in Familienbesitz); Jugenderinnerungen der Schwester Konrad Mautners, Käthy B., kommentiert von G. Haid, in: Volkskunde. Erforscht – gelehrt – angewandt. Festschrift für Franz C. Lipp, ed. G. Dimt, 1998, S. 25-36, auch in: G’schichten aus dem Elternhaus. Memoiren von Käthy B. (1883-1979), (Wien 1975), Typoskript, Archiv für die Geschichte der Soziologie in Österreich (Graz), Virtuelles Archiv „Marienthal“; Persönliche Mitteilung Elisabeth Baum-Breuer, Hinterbrühl, NÖ.
L.: Dokumentationsarchiv 1992a, Erinnerungen an die Mautner-Villa 1968, Lebensaft/Mentschl 2010, Müller 2008, Pór-Kalbeck 2007, http://agso.uni-graz.at/marienthal/, ÖBL-Online

Elisabeth Lebensaft / Christoph Mentschl