Arnstein Fanny (Franziska) Freifrau von

geb. Jafe-Itzig; Philanthropin und Salondame
Geb. Berlin, Heiliges Römisches Reich (Deutschland), 29.11.1758
Gest. Wien, 8.6.1818

Herkunft, Verwandtschaften: Vater: Daniel Itzig (1730-1806), bedeutender Berliner Bankier und Philanthrop; acht Schwestern: Rebekka; Jettchen; Bella, genannt „Veilchen“; Sarah, verh. mit dem Bankier Levy; Cäcilia (1760-1836), eigtl.: Zippora, Salondame und Philanthropin, verh. mit Bernhard von Eskeles, Geschäftspartner seines Schwagers in der Firma Arnstein & Eskeles, Mitbegründer, Direktor und „Vizegouverneur“ der 1816 gegründeten österreichischen Nationalbank.
LebenspartnerInnen, Kinder: Als 17-jährige Verheiratung mit dem Wiener Bankier Adam Nathan Arnstein (1748-1838); Tochter: Henriette (verh. Pereira-Arnstein) konvertierte, wie ihr aus den Niederlanden stammender Mann, zum Katholizismus. Sie setzte die Salontradition fort.
Ausbildungen: Der Vater ließ seinen neun Töchtern eine für die damalige Zeit ungewöhnlich gute Ausbildung zukommen. F. A. war in Berlin im Geiste Lessings und Nicolais erzogen worden, aber vor allem im Geiste von Lessings Nathan-Vorbild, dem Philosophen Moses Mendelsohn, der trotz Aufklärung ein tiefgläubiger Jude geblieben war.
Laufbahn: F. A. wurde als „Königin der Wiener Gesellschaft“ bezeichnet. Ihr Salon bildete einen geistigen und gesellschaftlichen Mittelpunkt, galt als der erste literarische Salon in Wien und erlebte während des Wiener Kongresses seinen Höhepunkt. Der Salon der F. A. war, im Gegensatz zu jenem ihrer Schwester Cäcilia, nicht bloß ein Treffpunkt der Haute volée, sondern v. a. ein Ort künstlerischer Genüsse und des angeregten Gesprächs, an dem politische und gesellschaftliche Entwicklungen der Zeit verhandelt wurden. F. A. selbst wurde nachgesagt, in erregten politischen Diskussionen mit kühlem Kopf, reifem Urteil und versöhnendem Tonfall zu glänzen. Sie war führend an der Schaffung des „Vereins adeliger Frauen zur Beförderung des Guten und Nützlichen“ beteiligt, wie auch an der Gründung des Wiener Musikvereins. Zu Kriegszeiten eine engagierte Wohltäterin für arme und notleidende Menschen, widmete sie sich in der Zeit nach dem Wiener Kongress v. a. der Förderung der schönen Künste sowie des Gewerbes. F. A. pflegte Umgang mit bedeutenden Größen ihrer Zeit und trat u. a. in Kontakt mit Wellington, Humboldt, Fürst Hardenberg, Prinz de Ligne, Cardinal Consalvi, den Grafen Bernsdorff, Münster, Neipperg. 1814 stellte sie den ersten Christbaum in Wien auf. F. A. blieb bis zu ihrem Tod jüdischen Glaubens, obwohl ihr etliche Freunde immer wieder zum Übertritt zum Katholizismus geraten hatten.

Werke

Literatur / Quellen

Qu.: Tagblattarchiv(Personenmappe)
L.: Czeike Bd 1 2004, Von Arnstein bis Zuckerkandl, Gerstinger 2002, Hauch 1990, Spiel 1962, Wininger, Wistrich 1999, http://www.jewishencyclopedia.com/

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