Wexberg Edith, geb. Rosenblüth; Sekretärin und Widerstandskämpferin

Geb. Pforzheim, Deutschland, 15.12.1919
Gest. Wien, 1.11.1974

E. W., geboren in Pforzheim in Deutschland, war ausgebildete Sekretärin. Die von den Nationalsozialisten als Jüdin klassifizierte E. W. lebte in Frankreich im Exil und war dort in der französischen Widerstandsbewegung aktiv. Ihre Tätigkeit in der „Travail Allmande“ bestand darin Soldaten der deutschen Wehrmacht, zum Widerstand bzw. zur Desertion zu bewegen. Am 25. Oktober 1940 wurde die österreichische Staatsbürgerin wegen Hochverrats verhaftet und kam zunächst für 23 Monate ins Internierungslager Gurs am Fuße der Pyrenäen. Im September 1942 wurde die zu diesem Zeitpunkt 22-Jährige freigelassen, jedoch zwei Jahre später, am 4. Juli 1944, erneut festgenommen, diesmal in Wien, wohin sie zuvor getarnt als französische Arbeiterin zurückkehrte. Nach vier Monaten Haft im Polizeigefängnis Rossauer Lände wurde E. W. ins Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau deportiert. Im Zuge der Auflösung von Auschwitz-Birkenau wurde E. W. am 19. Jänner 1945 auf den Todesmarsch Richtung Ravensbrück geschickt. Dort sollte sie – sowie auch die beiden Österreicherinnen Gerty Schindel und Antonia Lehr – hingerichtet werden. Nur Dank der Solidarität der Mithäftlinge und der illegalen Widerstandsorganisation in Ravensbrück konnten die drei Frauen – und somit auch E. W. – vor dem Zugriff der SS geschützt werden. Es gelang, E. W. bis zum April zu verstecken und mit Hilfe des schwedischen Roten Kreuzes im Rahmen der Aktion Bernadotte aus dem Konzentrationslager zu schmuggeln.

Danach kehrte die junge Frau von Schweden nach Wien zurück, lebte in späteren Jahren im 17. Wiener Gemeindebezirk und verdiente sich ihren Lebensunterhalt als Schneiderin. Sie war bis zu ihrem plötzlichen Tod im Jahr 1974 stets in der österreichischen Lagergemeinschaft Ravensbrück (ÖLGR) aktiv. Im Mitteilungsblatt der ÖLGR heißt es im Nachruf auf E. W.: „Nur wenige aber wussten, daß in dieser schlichten, bescheidenen und eher zurückgezogenen Edith ein großer Held [sic!] des Österreichischen Widerstands verborgen war. Unter den schwersten Bedingungen leistete sie in Frankreich Zersetzungsarbeit bei den österreichischen Soldaten der deutschen Armee. Als sie verhaftet wurde, wusste die Gestapo sehr wohl, welch ein gefährlicher Gegner des Nazi-Faschismus diese kleine zarte Frau war. […] Nun stehen wir fassungslos vor diesem grausamen Schicksal, das uns unsere Kameradin, ihrem Mann die liebende Frau und ihren Kindern die aufopfernde Mutter entrissen hat.“

Qu.: Sonderbestand Ravensbrück am DÖW: 50.121/13; 50.209/61; 50.899/686.

L.: Dokumentationsarchiv 1984a, Mitteilungsblatt der ÖLGR 1974: Nachruf auf Edith Wexberg

Helga Amesberger