Schomerus-Gernböck, Lotte

Lieselotte

* 16.12.1927, Salzburg, Sbg.
Ethnologin und Madagaskarspezialistin

L. Sch.-G. wurde als Tochter von Anna und Engelbert Gernböck in Salzburg geboren. Ihre Kindheit erlebte sie in Kaprun, nach dem Tod des Vaters übersiedelte die Mutter mit den 4 Kindern nach Salzburg.
1949 legte sie die Reifeprüfung in Baden. Ab Herbst 1949 studierte sie an der medizinischen Fakultät der Universität Wien, musste aber ihr Medizinstudium krankheitshalber abbrechen und wechselte im WS 1956 zum Hauptfach Ethnologie und Nebenfach Physische Anthropologie. Sie promovierte 1959 bei Haekel und Koppers (Diss.: „Die Krankheiten bei den Eingeborenen Madagaskars, ethnologisch und ethnomedizinisch betrachtet“). Schon früh hatte ihr Vater ihr Interesse an fremden Völkern und deren Kulturen geweckt. Seine Unterstützung von Missionen in aller Welt und sein soziales Engagement beeinflussten sie ebenso, wie die Begeisterung ihrer Mutter für die Medizin.
In den Jahren 1959-1961 arbeitete sie als Sprachlehrerin des Goethe-Institutes. Nach einem ersten Forschungsaufenthalt in Madagaskar 1961, war sie 1962 bis 1963 als wissenschaftliche Referentin am Afro-Asiatischen Institut in Wien tätig. Am Institut für den Wissenschaftlichen Film in Göttingen absolvierte sie 1963 ein Praktikum. Nach ausgedehnten Feldforschungen − zwischen 1961 und 1972 verbrachte sie insgesamt 7 Jahre in Madagaskar − erhielt sie ab 1973 die Möglichkeit, die Ergebnisse ihrer Feldforschungen am Landesmuseum in Hannover auszuwerten. Drei weitere Feldaufenthalte 1983, 1989 und 1994/95 ergänzten ihre umfangreiche Sammlung an Daten, Film- und Tonbandaufnahmen, wissenschaftlichen Bilddokumentationen und ethnographischen Objekten der madegassischen Kultur. Neben ihrer Forschungstätigkeit lehrte sie an den Universitäten in Bremen im Studienjahr 1979/80 und in Marburg von 1982 bis 1987 (Betreuung wissenschaftlicher Arbeiten). Sie betätigte sich mit Vorträgen in der Erwachsenenbildung, vor allem an Wiener Volkshochschulen, gestaltete zahlreiche Sendungen zu Madagaskar für den Österreichischen Rundfunk und hat im Zuge ihrer Feldforschungen eine Reihe wissenschaftlicher Filme gedreht. 1972 stellte sie ihr Wissen und ihre Arbeit dem Aufbau eines in Ampanihy/Südmadagaskar eingerichteten Sozialzentrums einer Deutschen NGO zur Verfügung. Ausstellungen: Madagaskar-Ausstellung an der niedersächsischen Landesbibliothek Hannover (1978), Ausstellung an der Universität Marburg (1987).
1963 und 1965 wurde ihr der Förderpreis für Wissenschaft und Kunst der Theodor-Körner-Stiftung Wien verliehen, 1965 der Preis des Dr.-Adolf-Schärf-Fonds zur Förderung der Wissenschaften; weiters gefördert von: der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der Österr. Akademie der Wissenschaften, der Universität von Madagaskar u. a. wissenschaftlichen Verbänden. Außerdem ist sie Trägerin des Titels „Chevalier de l’Ordre National Malgache“.

Werke

Zur Frage der Kleinwüchsigen in Madagaskar. In: Archiv für Völkerkunde, Bd. 16, 1961.
Heiratsbräuche in Madagaskar. In: confrontation. Zeitschrift des Afro Asiatischen Instituts in Wien (AAI), Jg. 2, Heft 4, 1962.
Dringende Forschungsaufgaben in Madagaskar. In: Bulletin of the International Committee on Urgent Anthropological and Ethnological Research, no. 5, 1962.
Les Mahafaly. Introduction á leur culture materielle. In: Taloha 4, Revue du Musée d’Art et Archéologie, Univiersité de Madagascar, 1971.
Mitarbeit: Mai’s Weltführer Nr. 23: Seychellen, Madagaskar, Réunion, Mauritius, Komoren, 1973.
Madagaskar. In: Baumann, H. (Hg.): Die Völker Afrikas und ihre traditionellen Kulturen,1975.
Die Mahafaly. Eine ethnische Gruppe im Südwesten Madagaskars, 1981.
Die Madagassen und ihre traditionelle Kultur. In: Sick, W.-D. / Bittner, A. (Hg.): Madagaskar: Mensch und Kultur im Konflikt, Beiträge zur Kulturanthropologie, 1992.
Der Totenkult in Madagaskar, Madagassen. In: Bertelsmann Lexikon: Die Völker der Erde, 1992.
Die traditionelle Geburtshilfe bei den Madegassen. In: Schiefenhövel, W. / Sich, D. / Gottschalk-Batschkus Ch. E. (Hg.): Gebären – Ethnomedizinische Perspektiven und neue Wege, 1995.
Quelques observations dans un village Mahafaly-Karimbola. In: Bulletin de l’Academie Malgache, Tom. 44- II, o.J.
Zur Frage der Kleinwüchsigen in Madagaskar. In: Archiv für Völkerkunde, Bd. 16, Wien, 1961, S. 23 – 28.
Heiratsbräuche in Madagaskar, in: confrontation. Zeitschrift des Afro Asiatischen Instituts in Wien (AAI), Jg. 2, Heft 4, Wien, 1962.
Dringende Forschungsaufgaben in Madagaskar, in: Bulletin of the Interntionale Committee on Urgent Anthropological and Ethnological Research, no. 5, Wien, 1962, S. 45-47.
Les Mahafaly. Introduction á leur culture materielle. In: Taloha 4, Revue du Musée d’Art et Archéologie, Univiersité de Madagascar, 1971.
Madagaskar. In: Baumann, H. (Hg.): Die Völker Afrikas und ihre traditionellen Kulturen, Wiesbaden (Franz Steiner; Studien zur Kulturkunde; 34) 1975, S. 785-815.
Rezension von: Koechlin, B.: Les Vezo du Sud-Ouest de Madagaskar. Contribution á l’Etude de l’ecosystéme de systéme seminomades marins. In: Tribus, Stuttgart, 1977.
Die Mahafaly. Eine ethnische Gruppe im Südwesten Madagaskars. Reimer, Berlin, 1981.
Die Madagassen und ihre traditionelle Kultur. In: Sick, W.-D. /Bittner, A. (Hg.): Madagaskar: Mensch und Kultur im Konflikt, Beiträge zur Kulturanthropologie. Birkhäuser, Basel, 1992, S. 191-219.
Der Totenkult in Madagaskar, Madagasse. In: Bertelsmann Lexikon: Die Völker der Erde. Bertelsmann Lexikon Verlag Gütersloh, München, 1992.
Dokumentation von etwas über 3000 Diafilmen und Schwarz-Weißfotos der Feldforschungen teilweise publiziert in: Raabe, E. / Wagner, H. (Hg.): Kulturen im Bild. Bestände und Projekte des Bildarchivs des Museums für Völkerkunde Frankfurt am Main. Frankfurt a. M. 1994.

Literatur / Quellen

Smetschka, B.: Frauen – Fremde – Forscherinnen. Leben und Werk der Absolventinnen des Wiener Instituts für Völkerkunde 1945-1975. Ein Beitrag zur Wissenschafts- und Frauengeschichte (= Europäische Hochschulschriften 44. Reihe 19, Abt. A). Frankfurt am Main 1997.
www.geocities.com

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