Köhler Annemarie; Kostümbildnerin

Geb. 2.3.1931

Herkunft, Verwandtschaften: Vater: Walter Köhler, Dipl.-Ing., Architekt; Mutter: Marie Köhler, Hausfrau; Sohn: Köhler Thomas, Dr., leitender Beamter, Wissenschafter und Schriftsteller.

Ausbildungen: A. K. studierte in Wien „Mode“ an der Hochschule für Angewandte Kunst (Klasse Prof. Eduard-Josef Wimmer-Wisgrill) sowie „Kostüm- und Bühnenbild“ (Klasse Prof. Heinrich Pircham).

Laufbahn: A. K. war im Anschluss an ihr Studium an der Hochschule für Angewandte Kunst Assistentin von Prof. Caspar Neher, dem engen Vertrauten und Mitarbeiter Berthold Brechts.

Sie wirkte danach u. a. an der Wiener Staatsoper und an anderen Wiener Bühnen sowie an der Mailänder Scala und bei den Salzburger Festspielen. Bis zu Ihrer Pensionierung war sie lange Jahre beim ORF beschäftigt, wo sie u. a. mit Julia Migenes oder José Carreras zusammenarbeitete.

Sowohl aus den Jahren Ihres Studiums bzw. Ihrer Assistenz an Hochschule (Universität) und Akademie als auch aus jenen Ihrer beruflichen Tätigkeit am Theater und im ORF liegen zahlreiche Kostümbilder (und vereinzelte Bühnenbilder) vor. Aus der Zeit danach bestehen viele Zeichnungen bzw. Kreide-, Tusche- und Ölbilder teils figurativen, teils abstrakten Inhalts. Geographisch konzentrieren sich die Sammlungen der Werke auf Wien und Kärnten, wo die Künstlerin viele Sommer ihrer Jugend verbrachte.

Das Künstlerische liegt bei A. K. nicht zuletzt in der Familie. So war der Großvater Architekt für Hoch- und Tiefbau. Ebenso schuf er Entwürfe für Interieur und Design. Die mütterliche Linie war geprägt durch intensive Musikalität und häufiges Musizieren (ein Vorfahre war weiters Dirigent). Der Sohn A. K.s, dessen Vater ebenso Bühnen- und Kostümbild studierte, ist neben seinem Beruf als leitender Beamter im öffentlichen Dienst auch künstlerisch und wissenschaftlich tätig (s. www.mezzogiorno.at).

„Trotz dieser Vorgaben und Anlagen geht es nicht“, so die Künstlerin anlässlich einer Ausstellung eines Teils ihrer Werke in einer Wiener Galerie nach dem Jahr 2000, „ohne eigenes Talent und das große Verlangen, sich auf kreative Weise künstlerisch und intellektuell durchzusetzen. Es braucht auch das Vermögen, sich nicht nur mit zeichnerischem Genius, sondern auch mit psychologischem Takt mit dem Stück und dessen Figuren sowie den Künstlern als Menschen zu befassen.“

In solcher immensen geistigen und seelischen Auseinandersetzung entstanden Kostümentwürfe, die weit mehr sind als simple Arbeitsvorlagen für die Werkstatt. Sie stellen eigenständiges Kunstschaffen dar, das sowohl dem Anspruch des Stücks an sich als auch der jeweiligen Atmosphäre der Aufführung sowie nicht zuletzt der oft divergierenden Charaktere der Schauspieler verpflichtet bleibt.

A. K. lebte in Wien.

Ausstellungen: Dauerausstellung „Mittleres und späteres Werk“: Hotel Amerika, Klopeiner See, Kärnten; Ausstellung, „Auszüge des Schaffens“, Aktiengalerie bzw. Kunstservice, Wien, 2002.

 

Thomas Köhler