Felmayer, Johanna

geb. Brunswik de Korompa
* 27.7.1927, Innsbruck, Tirol, † 8.8.2000, Innsbruck, Tirol
Kunsthistorikerin und Kunstvermittlerin

Studium der Kunstgeschichte und Archäologie an der Universität Innsbruck; 1952 Promotion zum Dr. phil.; Vortrags- und Führungstätigkeit bei zahlreichen Kunstausstellungen, Abfassung von Rundfunk- und Zeitungsbeiträgen zu kunstgeschichtlichen Themen; 1955-1994 freie Mitarbeiterin des Instituts für Österreichische Kunstforschung, Erstellung der Innsbrucker Kunsttopographie; 1991-1994 Mitglied des Kulturbeirats des Landes Tirol; seit Beginn der 1990er Jahre Mitglied des Fachausschusses für Kunst des Landesmuseums Ferdinandeum; Mitbegründerin der Bürgervereinigung Innsbrucker Stadtverein.

Studium der Kunstgeschichte und Archäologie an der Universität Innsbruck, Promotion zum Dr.phil. 1952 mit einer Arbeit zu den Barockaltären Tirols bei Prof. Burghard Breitner. Nach dem Studium zunächst Vortrags- und Führungstätigkeit bei zahlreichen Kunstausstellungen, u. a. in Schloss Ambras und dem Museum Ferdinandeum in Innsbruck, sowie Abfassung von Rundfunk- und Zeitungsbeiträgen zu kunstgeschichtlichen Themen. Von 1955 bis 1988 durchgängige und dann noch bis 1994 zeitweise Arbeit an der Erstellung der Innsbrucker Kunsttopographie als freie Mitarbeiterin des Instituts für Österreichische Kunstforschung, das 1980 eine Abteilung des Bundesdenkmalamts geworden war. Darüber hinaus arbeitete J. F. zur Stadtgeschichte von Kitzbühel, verfasste eine Reihe von Kirchenführern (u. a. zur Servitenkirche und zur Spitalskirche in Innsbruck), schrieb kunsthistorische Beiträge für Zeitungen etc. In späteren Jahren befasste sie sich neben den Tiroler Kunstdenkmälern auch zunehmend mit der Ideengeschichte des Mittelalters und der Neuzeit, die diese Bauwerke prägten. Von 1991 bis 1994 gehörte J. F. dem Kulturbeirat des Landes Tirol und seit Beginn der 1990er Jahre dem Fachausschuss für Kunst des Landesmuseums Ferdinandeum an. Auf Grund ihrer intensiven Beschäftigung mit der Baugeschichte und den Denkmälern Innsbrucks erarbeitete J. F. neue Sichtweisen, die manches Mal im Widerstreit zu gängigen Zuschreibungen standen. Dies betraf u. a. zwei wichtige Innsbrucker frühbarocke Bronzekunstwerke, den Leopoldsbrunnen und das Grabmal von Maximilian dem Deutschmeister im Innsbrucker Dom, welche sie mit sicheren Belegen dem holländischen Bildhauer Hubert Gerhard zuschreiben konnte und nicht, wie tradiert, seinem Schüler Kaspar Gras. Sie wies auch darauf hin, dass das „Leithaus“ des Klosters Wilten seit der Römerzeit kontinuierlich in Benutzung stand, ein Indiz für die frühe Besiedlung des rechten Innufers, das im Widerspruch zur offiziellen Stadtgründungsgeschichte steht, die sich auf die nachweislich gefälschte Gründungsurkunde von 1180 beruft (Österreichische Kunsttopographie Bd. XLV, S. 345 ff.). Ihre Arbeit zum Goldenen Dachl schließlich interpretierte die Symbolik an diesem Innsbrucker Wahrzeichen neu und trug entscheidend zur richtigen Datierung seiner Erbauung (1500 und nicht, wie lange behauptet, 1496) bei, was auch medial für einiges Aufsehen sorgte. Eines der wesentlichen Anliegen von J. F. war stets die Vermittlung von Kunst in ihrem historisch/lokalen Kontext und die Bewusstmachung der kulturellen Bedeutung verschiedener Epochen. So setzte sie sich für die Erhaltung der Bausubstanz der Gründerzeit und späterer Phasen, wie etwa der Neuen Sachlichkeit in Innsbruck ein. Die von ihr mitgegründete Bürgervereinigung Innsbrucker Stadtverein entfachte in den 1970/80er Jahren eine Diskussion, die schließlich zur Unterschutz-Stellung der Bauten dieser Perioden in Innsbruck führte. Dies war eine Pionierarbeit, da man von offizieller Seite erst nach 1979 Bauten, die nach 1850 errichtet worden waren, als denkmalwürdig einstufte. J. F. war verheiratet, 2 Töchter. Sie starb am 8.8.2000 in Innsbruck. Ihre Arbeiten zu Hubert Gerhard, sowie ein nicht fertig gestelltes Manuskript zur Innsbrucker Stadtgeschichte erschienen posthum.

Werke

Egger-Lienz, Albin Ingenuin. In: Neue Deutsche Biographie 4, 1959, S. 334 [Onlinefassung], www.deutsche-biographie.de/pnd118529072.html (aufgerufen am 26.6.2013).
Die Altäre des 17. Jahrhunderts in Nordtirol. In: Innsbrucker Beiträge zur Kunstgeschichte, Schlern-Schriften 246, Veröffentlichungen zur Landeskunde von Südtirol, Universitätsverlag Wagner, Innsbruck, 1967.
Eine Zeichnung von Roelant Savery in Berlin. Die topographische Situation Innsbrucks um 1600 in ihrer
Die Kunstdenkmäler der Stadt Innsbruck. I. Teil. Österreichische Kunsttopographie Bd. XXXVIII. Hg. vom Institut für Österreichische Kunstforschung des Bundesdenkmalamtes. Anton Schroll & Co, Wien, 1972.
Der Hofgoldschmied Anton Ort und sein Hauptwerk in der Silbernen Kapelle. In: Veröffentlichungen des Museums Ferdinandeum 54, 1974, S. 101-140.
Gem. m. Dehio, G. / Ammann, G. / Egg, E.: Handbuch der Kunstdenkmäler Österreichs, Tirol, Anton Schroll & Co, Wien, 1980.
Die Kunstdenkmäler der Stadt Innsbruck. II. Teil: Die Profanbauten. Mit Ausnahme der Altstadt und den Erweiterungen der Renaissance. Österreichische Kunsttopographie Bd. XLV. Mit Beiträgen von Gschnitzer, H. / Hörmann, M. / Ubl, H., Anton Schroll & Co, Wien, 1981.
Innsbruck im Industriezeitalter. In: Tiroler Heimatblätter 58/4, 1983, S. 127-138.
Schloss Ruhelust in Innsbruck. In: Tiroler Heimatblätter 60/4, 1985, S. 121-130.
Gem. m. Forcher, M.: Johann Huter & Söhne 1860-1985. Hg. von Johann Huter & Söhne, Tyrolia, Innsbruck, 1985.
Gem. m. Öttinger, K. / Öttinger, R. /Scheicher, E. et al.: Die Kunstdenkmäler der Stadt Innsbruck. Hofbauten. Österreichische Kunsttopographie Bd. XLVII. Anton Schroll & Co, Wien, 1986.
Das Kloster der Servitinnen beim Münchner Herzogspital. In: Beiträge zur altbayerischen Kirchengeschichte 40, 1991, S. 139-150.
Altäre von St. Jakob in Innsbruck I. In: Tiroler Heimatblätter 68/1, 1993, S. 15-27.
Altäre von St. Jakob in Innsbruck II. In: Tiroler Heimatblätter 68/3, 1993, S. 86-105.
Gem. m. Schmid, K. / Schneider, B. at al.: Die sakralen Kunstdenkmäler der Stadt Innsbruck, Teil I und II. Österreichische Kunsttopographie Bd. LII, Anton Schroll & Co, Wien, 1995.
Der Bildnistypus Meinhards II. In: Tiroler Heimatblätter 70/3, 1995, S. 91-97.
Gab es einen arianischen Georgsorden? In: Zeitensprünge 4, 1996, S. 478-498.
Das Goldene Dachl in Innsbruck. Maximilians Traum vom Goldenen Zeitalter. Edition Tirol, Reith i.A., 1996.

Erinnerungen an Kitzbühel – als Kunsthistorikerin unterwegs in einer alten Stadt. In: Berg ‘98, Alpenvereinsjahrbuch 122, S. 61-75, 1998.
Zahl um Zahl. Myteriöse Historienspiele gestern und heute, mit Beispielen aus der Innsbrucker Lokalgeschichte. In: Gegenwart 30, Deuticke Verlag, Wien, 1996, S. 1, 8-12.
Kirchenführer: Servitenkirche Innsbruck, 1990; Pfarrkirche Mieders, Kunstverlag Peda, 1995; Spitalskirche Innsbruck, Edition Tirol, 1998.

Gem. m. Holzer, St. / Klier, W.: Hubert Gerhard in Innsbruck und das Grabmal Maximilians des Deutschmeisters: Hintergründe, Zusammenhänge, Perspektiven. Hg. von Werner-Felmayer, Gabriele, Studienverlag, Innsbruck, 2005.
Gem. m. Brätz, H. / Klier, W.: Neues zum Goldenen Dachl. Innsbruck und seine verlorene Geschichte, Monsenstein und Vannerdat, Münster, 2006.

Literatur / Quellen

Nachruf
Klier, W.: Johanna Felmayer, eine große, eigensinnige Forscherin. In: Kulturberichte aus Tirol, 419/420, 55. Jahrgang, 2001, S. 296-298.

BiografieautorIn:

Gabriele Werner-Felmayer

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