Doublier, Gertrude (auch Gerda)

Bibliothekarin und Schriftstellerin
*8.6.1901, Wien, † 20.8.1985, Wien

Herkunft, Verwandtschaften: Tochter des ehem. Vizedirektors der Nationalbibliothek Dr. Othmar Doublier (1865 Wien – 1946 Wien) und Maria Amalia Johanna Kaufler (1873 –1918); ihre Schwester Hilde Stern, verw. Braun (1897 Wien –1953 Wien) war ebenfalls Bibliothekarin.
LebenspartnerInnen, Kinder: Ledig, keine Kinder.
Ausbildungen: Realgymnasium in Wien, 1920 Matura, Studium der Germanistik, Skandinavistik und Geschichte an der Universität Wien, Promotion zum Dr. phil. 1925 (Dissertation „Charlotte Wolter und ihr Einfluß auf das Drama ihrer Zeit“), Stenographie-Maschinschreiben (Schule Weitzmann), 22.10.1934 Ergänzungsmatura Griechisch mit genügendem Erfolg, Oktober 1931 Prüfung des mittleren Bibliotheksdienstes mit Auszeichnung.
Laufbahn: Schon während des Studiums konnte sie sich mit Abschreibearbeiten aus alten Codices der Wiener Stadtbibliothek für den Rikola Verlag etwas dazuverdienen. Danach war sie wissenschaftlich bis 1938 tätig, so durch Aufsätze in der von ihrem Lehrer Prof. Eduard Castle herausgegebenen „Deutschösterreichischen Literaturgeschichte“ und durch eine Monographie über Hedwig Bleibtreu. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten war das nicht mehr möglich, weil sie aufgrund ihrer Herkunft nicht der Reichsschrifttumskammer (RSK) beitreten konnte.
Gertrude Doublier war von Mai 1923 bis Juni 1924 im höheren Hilfsdienst der Nationalbibliothek angestellt. Von Juli 1924 bis Ende 1929 war sie im Kanzlei- und Konzeptshilfsdienst des dem Bundesamt für Finanzen unterstehendem Abrechnungsamtes tätig, das sie jedoch aus Gründen des Personalabbaues verlassen musste. Sie bewarb sich zur Ausbildung im mittleren Dienst der Nationalbibliothek und wurde nach sechs Monaten mit Juli 1930 als Vertragsbedienstete des mittleren Verwaltungsdienstes angestellt. Diese Wiederaufnahme war nur durch Intervention des damaligen Bundesministers und späteren Präsidenten der Akademie der Wissenschaften Heinrich von Srbik möglich. Obwohl sie studiert hatte und sich auch weiterhin wissenschaftlich betätigte, blieb ihr ein Akademikerposten verwehrt. In ihrem Nachruf heißt es „durch eine ungünstige Konstellation“ hätte man ihr von Beginn des Dienstantrittes den angemessenen Dienstposten verweigert. Sie selbst musste bei Dienstantritt sogar unterschreiben, dass sie auf einen Akademikerposten verzichtet.
Von Juni 1936 bis Februar 1945 war sie im gehobenen Bibliotheksdienst (März 1938 Revidentin, 1941 Bibliotheksinspektorin). Diese Dienstzeit wurde allerdings von Ende März 1940 bis Anfang Jänner 1941 unterbrochen und sie in den Ruhestand versetzt. Während dieser Zeit war sie aushilfsweise beim Präsidenten der Wiener Rechtsanwaltskammer von 1936 bis 1938 und damaligen Mitarbeiter der Rechtsanwaltskammer Otto (Freiherr von) Mayr in der Bibliothek der Rechtsanwaltskammer tätig.
Schon 1939 bekam sie als so genannter „Mischling 2. Grades“ Probleme an der Nationalbibliothek. Da u. a. Vizedirektor Robert Teichl angab, sie hätte ihm in der illegalen Zeit, also vor März 1938, nationalsozialistische Flugblätter gegeben und Geld für die NSDAP gespendet, konnte sie vorerst im Amt bleiben. Doch 1940 wurde sie trotzdem in Ruhestand versetzt. Nur durch die Intervention ihrer Taufpatin, der Schauspielerin Hedwig Bleibtreu und anderer konnte sie nach einem knappen Jahr ihren Dienst in der Nationalbibliothek wieder aufnehmen.
Bis 1945 versah sie ihren Dienst in der Nationalbibliothek in verschiedenen Abteilungen. Wegen ihrer literarischen und theatergeschichtlichen Ambitionen war sie durch Jahrzehnte der Theatersammlung zugeteilt, wo sie ihr umfassendes Wissen und ihre großen Fähigkeiten zur Verfügung stellte. Sie arbeitete daneben aber auch am Deutschen Gesamtkatalog, am alphabetischen Katalog, in der Titelaufnahme, an der Aufstellung des Bibliographischen Apparates, aber auch am „Österreichischen Gesamtzuwachs-Verzeichnis“ sowie in der Büchernachweisstelle. In der Theatersammlung bearbeitete sie bereits in den 1930er Jahren die Bestände der Sammlung Hugo Thimigs. 1939 hielt der Leiter der Theatersammlung Joseph Gregor fest, dass sie für die Sammlung sehr hilfreich sei, weil sie ihre Beziehungen zu hervorragenden Kreisen der Schauspielkunst der Sammlung in selbstloser Weise dienstbar mache und ihr damit manches wertvolle Sammlungsobjekt zugewendet werde.
Im August 1945 wurden ihre Beteuerungen, sie hätte sich für die NSDAP in der illegalen Zeit engagiert zum Verhängnis und sie wurde wegen ihrer politischen Belastung aus dem öffentlichen Dienst entlassen. Sie arbeitete von Februar 1946 bis März 1950 als Bibliothekarin bei der Amerikanischen Wehrmacht. U. a. durch die Intervention des damaligen Burgtheaterdirektors Raoul Aslan konnte Gertrude Doublier ab Mitte März 1950 wieder an der Österreichischen Nationalbibliothek arbeiten und wurde als Bibliotheksoberrevidentin eingestuft. Mit Juli 1951 wurde sie zum Bibliothekssekretär und mit Juli 1959 zum wirklichen Amtsrat ernannt.
Nach ihrer Rehabilitierung arbeitete sie zuerst wieder für die Büchernachweisstelle, wurde nach kurzer Zeit aber wieder der Theatersammlung zugeteilt und blieb bis zu ihrer Pensionierung 1966 in der Sammlung. In diesen 16 Jahren waren ihre Kenntnisse der Materie eine wesentliche Hilfe bei der Aufarbeitung der vielen Erwerbungen der Sammlung. So hat sie von 1950 bis 1957 die Theatralia laufend in der Titelaufnahme beschrieben, außerdem von 1957 bis 1966 an die 9.000 Graphikblätter bearbeitet (d. h. katalogisiert und inventarisiert) sowie von 1959 bis 1966 über 30.000 Autographen. Besonders die von der ÖNB erworbenen Sammlungen Paulsen, Bleibtreu und Aslan hat sie umfassend zur Aufarbeitung gebracht. Darüber hinaus hat sie auch die Beschlagwortung der bearbeiteten Objekte übernommen. Auch die Bestimmung vieler Negative für die Porträtsammlung oblag ihr. In einem Nachruf wird sie als „eine Dame im besten Sinn des Wortes“ und als „der Typ der guten alten österreichischen Beamtin“ bezeichnet.
Neben ihrer Arbeit fand sie noch Zeit für Vorträge im kleineren Kreis und für Publikationen.
Auszeichnungen: Mit ihrer Pensionierung mit Ende 1966 wurde Gertrude Doublier zum Regierungsrat ernannt. 1972 wurde ihr vom Bundespräsidenten Franz Jonas der Berufstitel Professor verliehen.

Werke

Werke (Auswahl)
Charlotte Wolter und ihr Einfluß auf das Drama ihrer Zeit. Univ., Diss., Wien 1925.
Hedwig Bleibtreu. Ein Beitrag zur Geschichte des Burgtheaters. Gerold, Wien 1933.
Gem. mit Zeleny, Walter: Hedwig Bleibtreu. Wesen und Welt einer großen Burgschauspielerin. Donau-Verlag, Wien 1948.
Alphonse Daudet: Pariser Novellen [Ausw., Übers. u. Vorw.: Gertrud Doublier]. Kremayr & Scheriau, Wien [ca. 1950].
Mitarbeit Hedwig Bleibtreu ein Beitrag zur Gesch. des Burgtheaters 1933 (Lexikon der Frau Bd. 1, 1953, S. 533).
Burckhard, Max Eugen. In: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 35.
Maria Stuart. Ihr Leben als Königin und Frau. Böhlau, Graz [u. a.] 1959.
Elßler, Fanny. In: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 467f.
Frank, Katharina. In: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 342.
Gallmeyer, Josephine. In: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 53f.
Geistinger, Marie. In: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 163f.
Frankreichs Weg zur Einheit. Valois, Guisen, Hugenotten. Styria Verlag, Graz, Wien [u.a.] 1967.
Gem. mit Fuhrich, Fritz (Hg.): Hermann Thimig. Ein Leben in Dokumenten. Österr. Nationalbibliothek, Wien 1972.

Literatur / Quellen

Quellen
ÖStA, AdR, PA Gertrude Doublier, ÖNB Archiv, PA Gertrude Doublier.

Literatur
Trenkler, Ernst: Gerda Doublier 70 Jahre. In: Biblos 20 (1971), S. 141.
Gerda Doublier Professor. In: Biblos 21 (1972), S. 232.
Gruber, Christine: Nachruf Gerda Doublier. In: Biblos 35 (1986), S. 112.
Trenkler, Ernst: Geschichte der Österreichischen Nationalbibliothek. Zweiter Teil: Die Nationalbibliothek (1923–1967). Hg. v. Josef Stummvoll. Verlag Brüder Hollinek, Wien 1973.

Biografieautor:

Christina Köstner-Pemsel

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